So geizig sind deutsche Business Angels
Man könnte meinen, hauptsächlich die sparsamen Schwaben bilden das Gros der derzeitigen Business-Angel-Szene. Zumindest, wenn man sich anschaut, wie wenig Kapital die Privatinvestoren zuschießen. Über die mutmaßlichen Gründe und die Folgen, lesen Sie hier im Artikel.
Acht Jahre schon gibt es die Umfrage, die auslotet, wieviel Kapital die Panel-Teilnehmer im laufenden Quartal zugeschossen haben. Das Ergebnis war ernüchternd, denn mit einem Schnitt 13.248 Euro befinden sich die Investments auf einem Allzeit-Tief. Nur zum Vergleich: Das Allzeithoch lag im zweiten Quartal 2002 bei etwa 222.000 Euro und allein der Vergleich zum letzten Jahr, in dem gut 49.000 Euro im Quartal ausgegeben wurden, zeigt wie knapp bei Kasse die Engel derzeit sind sind. Zwar kann man die Aussagekraft der Studie in soweit anzweifeln, dass nur 37 BAs befragt wurden, doch einen Stimmungstrend verrät das Ergebnis allemal.
Gründe hierfür sieht Roland Kirchhof, Vorstand des Business-Angels-Netzwerk-Deutschland (BAND) vor allem darin, "dass die Business-Angels immer stärker syndizieren, sich also zu Investorengemeinschaften zusammenschließen". Doch heißt das nicht wiederum, dass Business Angels zu Venture-Capital-Gesellschaften mutieren? Steht jetzt eher das Geldverdienen und nicht mehr das persönliche Engagement für die Privat-Financiers im Vordergrund? - Wenn dem so wäre, müssten sich Gründer auf einen noch härteren Kampf ums Start-Kapital einstellen oder andere Strategien verfolgen. Alternativen zu BAs gibt es aktuell vermehrt. Schauen wir uns einige Beispiele an:
Beteiligungsgesellschaften sind im Aufwind. Eine Nachricht, die sich gut mit der Umschichtung bei den BAs erklären lässt: Die Investmentprofis, die mit privatem Kapital jonglieren, machen laut dem KfW- und BVK-Geschäftsklima-Index für den deutschen Beteiligungsmarkt einen Riesensprung nach oben. Im Gleichschritt mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum verzeichneten die KfW-Analysten im zweiten Quartal 2010 einen Anstieg um 15.9 Punkte auf einen Index-Stand von 45.8. Wer also Geld braucht, muss mit den Profis verhandeln und einen Großteil seines Engagements auf sein Standing und einen ausgefeilten Businessplan verlagern.
Bürgschaften sind im Aufwind - allein im 1. Halbjahr 2010 registrierten die deutschen Bürgschaftsbanken 1.600 Gründungen mit Bürgschafts-Stützung. Das ist gleichbedeutend mit einem Anstieg von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Auch Inkubatoren bilden eine attraktive Alternative zum klammen Business Angel. Gerade erst hat XING-Gründer Lars Hinrichs noch mit seinem neuen Projekt HackFwd von sich reden gemacht, andere Venture-gestützte Projekte wie Rocket Internet funktionieren schon seit langem. Neue Konzepte kommen aus dem Ausland und sprechen auch deutsche Gründer an, man denke nur ans Startup Bootcamp.
Bootstrapping, also das sparsame, aus eigenen Kräften hochkriechende Vorankommen mit eigenen Mitteln ist immer eine Alternative. Doch kapitalintensiven Marketingaktionen beispielsweise wird hier beispielsweise Einhalt geboten.
Crowdfundíng ist ein Trend, der mehr und mehr auch in Deutschland Fuß fassen wird. Das skandinavische GrowVC macht bereits jetzt vor, wie das Konzept fabulös funktionieren kann. Viele Mini-Investoren investieren in Start-ups, von denen sich Gewinn erhofft wird.
Gründerkredite von der KfW, vor allem das exist-Programm für wissenschaftliche Ausgründungen bilden stets einen Rückhalt für chronisch arme Gründer.
Also, liebe Gründer - auf die Business Angels sollte man sich nicht mehr ohne weiteres verlassen. Zieht Euch warm an und unterstützt Euch gegenseitig. Eine starke Szene mit einer starken Lobby ist das, was im Moment gefragt ist.
Dieser Artikels stützt sich auf einen Beitrag der vdi-nachrichten.
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Kommentare zu So geizig sind deutsche Business Angels
Veränderungen und Alternativen
Das ist ja interessant, insbesondere, da die VCs im 2. Quartal 2010 eine beachtliche Menge mehr investiert haben als in den letzten Jahren. http://www.fhpe.de/vc-panel/vc-panel-erg/vc-panel-qII-2010_internet.pdf [PDF, S.3]
Na mal schauen, wie sich das in der nächsten Zeit entwickelt. Ein Quartal isoliert zu betrachten halte ich immer für etwas grenzwertig und N=37 ist - wir Ihr ja auch schreibt - nicht wirklich repräsentativ. Außerdem sollte man den armen Angels auch nicht alle Verantwortung für die Förderung von Startups zuschreiben.
Daher: vielen Dank, dass Ihr auch die Alternativen aufzeigt. Wir (Seedmatch) freuen uns natürlich über Eure Einschätzung: "Crowdfundíng ist ein Trend, der mehr und mehr auch in Deutschland Fußfassen wird." Finden wir auch! Für ganz frische Startups finde ich auch die neuen Inkubatoren großartig.
Im Grunde verändert sich für die Startups die Situation nicht großartig: gefragt sind nach wie vor Engagement und Kreativität - nur gibt es eben jetzt ein paar Alternativen, die man bei seinen Bemühungen berücksichtigen kann (sollte) - und die vielleicht sogar besser passen.
Dr.
Guten Tag!
Das Ergebnis ist aber nicht repräsentativ: Die Erfahrung auf unserem Venture Capital-Marktplatz (www.exchangeba.com) zeigt uns, dass die Privatinvestoren derzeit immer noch aktiv sind. Auch agieren sie mit deutlich höheren Summen als die Investoren im Panel.
Bestätigen können wir allerdings die Tendenz, dass der Investment-Prozess im Schnitt länger dauert.
Fazit: Es gibt auch derzeit noch Möglichkeiten einen passenden Privativestor zu finden. Man muss aber auch neue Wege gehen.
Viele Grüße
Jochen Haller
Stimmungstrend
Guten Abend,
ich danke Ihnen für diese Zahlen aufrichtig! Allerdings möchte ich eindringlich davor warnen, hieraus auch nur ein 'Stimmungsbild' ableiten zu können. Es sei denn, die Kriterien der qualitativen und induktiven Statistik/Interviewführung wurden peinlich genau beachtet. Ansonsten können diese von ihnen gemachten Angaben auch irreführend und einfach falsch sein. Das ist auch kein akademisches 'Geschwätz' meinerseits, sondern soll als eine konstruktive Anmerkung gesehen werden.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Scheer