Kolumne von Oliver Bücken
Generation Bachelor mit Scheuklappen?
In seiner förderland-Kolumne berichtet Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG und Dozent der UnternehmerTUM GmbH - über die neue Generation "Bachelor" und die Bedeutung von Schlüsselkompetenzen im Beruf.
Das neue Sommersemester hat begonnen, das bedeutet für Studierende: Ab auf den Campus und die kommenden Herausforderungen meistern. Gerade die Generation "Bachelor" ist einem hohen Druck ausgesetzt. Die Taktung der Lehrveranstaltungen wird kürzer; studiert wird nach Stundenplan wie in der Schule. Deshalb wird das richtige Zeit- und Selbstmanagement immer wichtiger, um finanziell und in-time fertig zu werden. Dem rational handelnden Studierenden bleibt wenig Zeit, um nach rechts und links zu schauen und die eine oder andere Chance wahrzunehmen. Das ist wie Schwimmen im Schwimmbad - mit immer gleichem Wasserstand, ohne Strömung und ohne Gegenverkehr!
Möglicherweise arbeitet dieser Homo Oeconomicus in ein paar Jahren genau bei einem der 38 Prozent der Unternehmen, die sich in der Probezeit wieder von einem Hochschulabsolventen trennen (DIHK Umfrage, Februar 2008). Aber warum steht dieser Mensch, der sich an der Uni problemlos freigeschwommen hat, nun im rauen Gewässer hilflos da?
Unternehmen bewerten Teamfähigkeit, Selbständiges Arbeiten, Einsatzbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit als die wichtigsten Kompetenzen, die Hochschulabsolventen als Berufseinsteiger mitbringen sollten. Es folgt – mit Abstand - Fachwissen. Das bedeutet knallhart: wenn sich zwei fachlich gleich gute Absolventen in einem Unternehmen bewerben, bekommt der den Zuschlag, der die besseren Schlüsselkompetenzen hat.
Fachkompetenzen veralten rasch, man vergisst, sobald man sich nicht ständig damit auseinandersetzen muss. Schlüsselkompetenzen lassen sich trainieren und damit verinnerlichen. Sie versetzen uns in die Lage, in neuen Situationen aktiv zu werden, kreativ zu arbeiten und zu guten Lösungen zu kommen. Die Unternehmen wollen wissen, ob ein Bewerber diese notwendigen Kompetenzen hat, um heute UND zukünftig seinen Job meistern zu können.
Was heißt das für Sie als Studierender? Was immer Sie studieren, egal wie viel Sie zu tun haben oder wie dicht ihr Terminkalender ist: machen Sie sich klar, über welche Kompetenzen Sie schon verfügen und was Sie sich noch aneignen müssen.
Was bringt Sie in ihrer Persönlichkeit weiter? Lassen Sie sich zum Beispiel darauf ein, in einem interdisziplinären Team, Geschäftsideen für Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln! Sie können dann später bei einem Interview damit punkten, indem Sie konkret sagen können, was Ihr Beitrag in einer kritischen Situation war, wie Sie vorgegangen sind und was Sie erreicht haben. Und das Beste daran – Sie zeigen damit, was Sie GETAN haben und dass Sie reflektiert haben. Es sollte Sie nicht stören, wenn Sie dafür keine Credits bekommen, sondern ganz viel Kompetenz.
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"
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Kommentare zu Generation Bachelor mit Scheuklappen?
Bachelor: Problem liegt woanders
Ich habe vor Kurzen auch mein Bachelor-Studium beendet und fühlte mich von dem Beitrag nur teilweise angesprochen. Meiner Erfahrung nach liegt das Problem beim Bachelor vor allem darauf, dass wegen des straffen Zeitplans und der vielen Hausarbeiten (zumindest in meinem Studiengang) kaum Zeit bleibt für Praktika in den Semesterferien.
Angebote für Schlüsselkompetenzen gab es an der Uni schon einige, aber ohne die Zeit, das Gelernte in der Praxis anwenden zu können, bringt es nicht allzu viel.
Klar, ohne Soft Skills geht's nicht und da mangelt es vermutlich bei vielen. Aber das hat ja nicht unbedingt was mit den Bachelor-Studiengängen zu tun. Ich denke, die Problematik, dass das Studium zu theoretisch und fachbezogen ist, war beim Magister/ Diplom nicht viel anders.
M.A.
Also ich hab auf Magister studiert und hatte keine Zeitprobleme, meine Schlüsselkompetenzen zu trainieren.
Ich denke, der Unterschied zwischen den Studiengängen liegt darin, dass ich im Magister mein Studium eigenständig planen konnte, während die Selbstständigkeit in anderen Studiengängen zu kurz kommt.