"Für gute Ideen steht ausreichend Venture Capital zur Verfügung"
förderland im Gespräch mit Christoph Jost - CEO bei ABSOLVENTA - über den Reiz der Selbstständigkeit, prominente Mitgründer und die Vorraussetzungen für Gründer in Deutschland.
förderland: Herr Jost, wer sind Sie, was können Sie, was machen Sie?
Christoph Jost: Nachdem ich meine Diplomarbeit über Geschäftsmodelle für Web 2.0-Communities Mitte Januar 2008 eingereicht habe, bin ich CEO und Gesellschafter von ABSOLVENTA. Während meines BWL Studiums an der LMU München bin ich zunächst in Richtung Unternehmensberatung gesteuert. Mein Schulfreund Christian Scherbel hat mich dann aber glücklicherweise zum Unternehmertum bekehrt. Zusammen haben wir das Geschäftsmodell des von ihm gegründeten Unternehmens Aerosecure weiterentwickelt und dann gemeinsam Researchelite.com gegründet.
förderland: Wie ist die Geschäftsidee zu absolventa.de entstanden?
Jost: Researchelite.com hat sich zwar bereits mit Personalvermittlung für Studenten beschäftigt - die konkrete Idee zu ABSOLVENTA hatte aber Jan Beckers. Jan hat Henning Peters, Pascal Tilgner und mich schließlich zusammengebracht. Schnell haben wir festgestellt, dass uns die Vorstellung, den Bewerbungsprozess zugunsten der Studenten umzudrehen, fasziniert und wir uns gegenseitig optimal ergänzen.
förderland: Das Gründerteam von ABSOLVENTA besteht aus vier Personen. Wer ist denn für welche Aufgaben zuständig?
Jost: Jan hat die Initialzündung für ABSOLVENTA gegeben und unterstützt uns mit seinem breiten Netzwerk und seinem Know-how im Bereich Studentenmarketing. Henning ist CTO und damit verantwortlich für den Bereich Produktentwicklung. Vor ABSOLVENTA hat er die Online-Community Piranho.de mit mehr als 400.000 Mitgliedern gegründet. Pascals Hauptaufgabe als COO ist es, Absolventen und Studenten für ABSOLVENTA zu begeistern. Außerdem arbeitet er an der Schnittstelle zwischen Produkt und Marketing, um unsere Plattform optimal auf die Bedürfnisse der Absolventen zuzuschneiden. Ich kümmere mich um die Unternehmensseite. Darüber hinaus fallen Finanzen und Investor Relations in meinen Aufgabenbereich.
förderland: Was bedeutet Selbstständigkeit für Sie?
Jost: Selbstständigkeit bedeutet für mich, vom ersten Tag an Verantwortung zu übernehmen für alles, was mit der Firma passiert. Außerdem kann man sich die Leute aussuchen, mit denen man zusammen arbeitet. Dadurch besteht die Möglichkeit, eine einmalige Firmenkultur mitzugestalten, die auch dem Wesen der Gründer entspricht.
förderland: Sie konnten schon vor dem Launch Ihres Portals prominente Investoren wie Lukasz Gadowski, Oliver Jung, Kolja Hebenstreit, Michael Brehm und Dennis Bemmann mit in Ihr Boot holen. Wie kam der Kontakt zustande und wofür haben Sie das Geld verwendet?
Jost: Den Kontakt zwischen allen Beteiligten hat letzten Endes Jan Beckers hergestellt. Wenn man es genau nimmt, sind Lukasz, Oli und Kolja aber Mitgründer von ABSOLVENTA und nicht bloß Investoren, die Geld in die Firma gesteckt haben. Auch bei Michi und Dennis ist nicht die Höhe des Investments entscheidend, sondern dass sie uns mit ihrer Erfahrung zur Seite stehen. Klar ist aber auch, dass wir uns mit diesen Mitgründern voll aufs operative Geschäft konzentrieren und alle notwendigen Investitionen tätigen können.
Geld gebraucht haben wir vor allem für Personal. Unser Büro ist nicht besonders teuer und auch ein paar Notebooks kosten nicht die Welt. Ruby-on-Rails-Entwickler und Vertriebs- und Marketingspezialisten mit relevanter Erfahrung hingegen, arbeiten nicht für umsonst.
förderland: Der lange Weg von der ersten Idee bis zum tatsächlichen Launch Ihres Portals - Welche Hindernisse mussten Sie und Ihre Mitstreiter aus dem Weg räumen?
Jost: Die Startphase Ende letzten Jahres war nicht ganz einfach. Henning und Pascal waren schon in Berlin, Jan und ich haben noch unsere Diplomarbeiten in Münster und München zu Ende geschrieben. Aus der gemeinsamen Vision heraus ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln, die Plattform zu gestalten und die passenden Mitarbeiter zu finden verlangt viel Interaktion zwischen den Gründern. Da kommt einem die räumliche Trennung nicht gerade entgegen. Eine optimal skalierbare Plattform zu bauen, die sowohl den Bedürfnissen von Studenten als auch Unternehmen gerecht wird, kostet außerdem einiges an Zeit und Energie.
förderland: Was steht im Moment noch auf Ihrer ToDo-Liste?
Jost: In den nächsten zwei bis drei Wochen werden wir die Testphase abschließen. Außerdem wird der Funktionsumfang für Absolventen und Studenten in Zukunft deutlich erweitert. Konkrete Job-Angebote für unsere User werden zwar weiterhin der Kern unserer Anwendung bleiben. Aus unserem eigenen Studium bringen wir jedoch noch einige Ideen mit, wie man die Position der Studenten gegenüber den Unternehmen weiter stärken kann. Daran arbeiten wir bei ABSOLVENTA.
förderland: Wie schätzen Sie die momentanen Voraussetzungen für eine
Unternehmensgründung in Deutschland ein?
Jost: Ich persönlich kann nur für den Bereich Internet-Anwendungen sprechen. Dort sind die Voraussetzungen momentan exzellent. Wer nach dem Studium gründet, geht doch kaum ein Risiko ein. Für gute Ideen steht ausreichend Venture Capital zur Verfügung. Außerdem ist in meinen Augen die gestaltende Rolle erfahrener Business Angels in der Gründungsphase ein enormes Plus. Man muss sich als Gründer also nicht selbst erst einmal verschulden und vermeidet mit dem Know-how der Angels gravierende Fehler.
Außerdem sammelt man mehr Erfahrung als in jedem Angestelltenverhältnis, davon bin ich überzeugt. Auch wenn man den Laden mit Vollgas gegen die Wand fährt, ist also trotzdem ein Neuanfang möglich. Wirtschaftlich ist man nicht ruiniert, und andere Arbeitgeber schätzen die Erfahrungen, die man gesammelt hat.
Die zunehmende Präsenz des Themas Entrepreneurship an den Universitäten tut ihr Übriges. Dort werden mehr und mehr erfahrene Unternehmer in die Lehre eingebunden, die einem Berührungsängste nehmen. Bei mir zum Beispiel war es Andy Goldstein vom LMU Entrepreneurship Center, der mir im entscheidenden Moment Mut zur Gründung gemacht hat.
förderland: Mit dem Launch allein ist es noch nicht getan, in einem zweiten Schritt muss man die Massen auf sein Portal locken. Wie wollen Sie Absolventa bekannt machen? Welche Marketing- und PR-Maßnahmen setzen Sie ein?
Jost: Nachdem wir selbst quasi noch Mitglieder unserer Zielgruppe sind, unterstützen uns unsere Freunde und Kommilitonen dabei, andere Studenten und Absolventen von unserem Konzept zu überzeugen. Daneben sind wir noch einige Kooperationen zum Beispiel mit studentischen Initiativen oder Online-Portalen wie StudiVZ eingegangen.
förderland: Wann wird Absolventa denn für die Allgemeinheit verfügbar sein?
Jost: In Kürze. förderland-Leser können sich aber gerne schon vorab über folgenden Link registrieren: www.absolventa.de/invite/foerderland
förderland: Vielen Dank für das Gespräch.
© 2008 förderland
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Kommentare zu "Für gute Ideen steht ausreichend Ventur ...
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Geniale Geschäftsidee!
So soll es laufen mit dem Zusammenbringen von Jobsuchenden und Unternehmen. Hat nur Vorteile für beide Seiten.
In meinem Blog habe ich ausführlich über Absolventa berichtet:
http://newmarketingblog.de/gefunden-werden-statt-bewerben-absolventa/101
Gruß, Karin Janner