"Woher bekomme ich ein Gründungsteam?"
"Woher bekomme ich ein Gründerteam, wenn es noch gar kein Unternehmen gibt?", fragte mich letztens eine Leserin meiner Kolumne. Die Frage ist gut und berechtigt. Meine direkte Antwort auf die Frage lautet:
"Das funktioniert so ähnlich wie beim Dating: viel netzwerken, beschnuppern, Schnittmengen überprüfen und wissen, was man sucht. An fast jeder Uni gibt es Entrepreneurship-Lehrstühle mit offenen Veranstaltungen; ähnliche Orbits gibt`s bei Businessplan-Wettbewerben. Praktika bei Start-ups würde ich noch empfehlen – da arbeiten meist unternehmerische junge Leute, die selber gründen wollen."
Ergänzen würde ich heute noch die Direktansprache:
Gibt es wirklich diesen Teufelskreis – ohne gutes Team kein Investment, aber ein Team ohne Investment zu finden, sei ebenso schwer?
Ich sehe das anders. Ich glaube, dass es kein sicheres Rezept dafür gibt, Teams zu bilden. Ich glaube allerdings, dass sich ein Unternehmer chancenorientiert Mitgründer oder Mitarbeiter suchen muss. Dabei sollte er sich von seinen persönlichen Stärken und Schwächen leiten lassen. Und er sollte sich von den Notwendigkeiten seiner unternehmerischen Chance leiten lassen. Wen brauche ich bis wann, um weiter zu kommen? Danach bestimmt sich, wie und wo ich suche. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht UND im Hinterkopf reale Fragen der Teamentwicklung beantwortet haben will, dann nimmt man auch die Chancen wahr.
Ich glaube, dass in den meisten Fällen ein Lead-Unternehmer mit einer Geschäftsidee Mitgründer anzieht. Man muss begeisterungsfähig sein und muss diese Begeisterung auch bei potenziellen Mitgründern auslösen können. Das ist eine Typfrage; man muss Führung übernehmen wollen. Die Bereitschaft, sich als Mitgründer darauf einzulassen hängt sicher ganz eng mit der unternehmerischen, chancenorientierten Denk- und Handlungsweise zusammen.
In selteneren Fällen bildet sich ein Gründerteam von Beginn an, basierend auf der gemeinsam entwickelten Geschäftsidee oder gemeinsamen Erfahrungen (Projekte, Praktika u. dgl.).
Freunde eignen sich als Mitgründer noch seltener – es sei denn, die Freundschaft basiert auf gemeinsamen Werten und Einstellungen zum Unternehmertum.
Ein geeignetes Werkzeug, um überhaupt sichtbar zu machen, wen ich kenne und welche Zusammenhänge es zwischen diesen Personen gibt, ist eine Art Kommunikationsgraph. Hier geht es zunächst um eine Visualisierung von:
1. Wen kennen Sie?
2. Wie stark ist Ihre Beziehung?
3. Ist die Beziehung wechselseitig?
4. Gibt es Beziehungen zwischen den Ihnen bekannten Personen?
5. Wie ist deren Stärke und Wechselseitigkeit?
Mit diesem Werkzeug können Sie Personen identifizieren und direkt ansprechen.
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"
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Kommentare zu "Woher bekomme ich ein Gründungsteam?"
Die Leserin ist ein ER
Lieber Herr Bücken,
die Leserin war in diesem Fall ein Leser, trotzdem vielen Dank für die Replik. Ich stimme Ihnen völlig zu, dass eine überzeugende Persönlichkeit mit einer überzeugenden Idee letztlich der Schlüssel für die Teamfindung ist. Die offenen Veranstaltungen sind ein guter Hinweis.
Zum Thema Schnittmengen ausfindig machen: Eben wegen diesem Aspekt wundere ich mich nicht über die Ausrichtung der meisten Web-Start-Ups (die ja vielfach aus der Studentenszene kommen). Fast alles spielt sich im Consumer-Markt bzw. im Hobby-Community-Bereich ab (wie lautete noch ein neulich stattfindender Kongress in Hamburg: von der Aufmerksamkeitsökonomie zur Anerkennungsökonomie oder so ähnlich?). Erklärbar ist das nicht nur aufgrund der spektakulären Exits bei Communities, sondern es handelt sich schlicht auch um den kleinsten gemeinsamen Nenner, den alle irgendwie verstehen. Will man jedoch im (derzeit ja noch relativ jungfräulichen) professionellen Bereich eine Webleistung anbieten, sinkt eben die Begeisterungsfähigkeit mit dem Wissen über Arbeitsabläufe in eben jener Branche. Ich habe bei meiner Gründungsidee (die ich inzwischen kaum noch verfolge, da sie möglicherweise wirklich nicht so gut ist) die Erfahrung gemacht, dass selbst Menschen, die in benachbarten Branchen tätig sind, schlicht nicht verstehen, was mit dem Ansatz verfolgt werden soll, da grundlegende Kenntnisse über Arbeitsabläufe nicht vorhanden sind. Das soll wiederum nicht heißen, dass sich die Ideen dann zwangsläufig an kleine Zielgruppen richten, aber die Hintergründe sind eben nur den Brancheninternen bekannt.
In einem Satz: Schnittmenge Gründungswillige vs. Brancheninterne = meist sehr klein bis garnicht vorhanden...
Die andere Seite der Medallie
...und die Frage: Wie findet man wenn man begeisterungsfähig ist, eine gute Ausbildung und auch richtig viel Erfahrung hat und eine Menge Lust auf Neues, den passenden Part mit der Geschäftsidee ?