Kolumne von Oliver Bücken - Am Anfang war der Gründer
14.05.08 11:00

Kolumne von Oliver Bücken

Am Anfang war der Gründer

Das Wichtigste beim unternehmerischen Prozess ist der Gründer. Der erste Satz auf der ersten Seite der "Entrepreneurship-Bibel" von Timmons/Spinelli "New Venture Creation" lautet: "At the heart of the entrepreneurial process is the founder…". Am Anfang war der Gründer.

Wie ist das, wenn man im Team an einer Geschäftsidee arbeitet? Die Bedeutung von Teams in dieser frühen Vorgründungs- oder Gründungsphase wird vielfach überschätzt. Ein Team kann nicht "eigeninitiativ" sein. Haben Sie schon mal ein Team erlebt, das "leistungsmotiviert" ist? Leistungsmotivation ist wohl der zentrale Punkt einer inneren Einstellung, die einen Unter-Nehmer von einem Unter-Lasser unterscheidet. Teams sind selten entscheidungsfreudig; Entscheidungen im Team benötigen immer länger. Entschlussfreude ist aber eine der wichtigsten Handlungsweisen eines leistungsmotivierten Menschen. Teams haben Fliehkräfte, die das beharrliche Verfolgen eines Ziels erschweren. Notwendige Entscheidungen lassen sich im Team häufig nicht schnell genug treffen, weil auf zu viele Randbedingungen Rücksicht genommen werden muss.

Wenn das alles wahr ist, warum sind dann heute immerhin rund die Hälfte der Hightech-Start-ups Teamgründungen? Im Zweifel, weil der umsetzungsstarke Gründer und Initiator gemerkt hat, dass er zwar sehr talentiert ist, aber auch viele Defizite hat. Wenn man als Gründer weiß, wo die eigenen Stärken liegen, ist es nur noch ein kleiner aber bedeutsamer Schritt hin zur Erkenntnis, wo die eigenen Schwächen liegen. Hier muss man sich durch Teammitglieder verstärken, um wirklich schnell wachsen zu können. Beispielsweise ist bekannt, dass besonders kreative Unternehmer sich meist schlecht für die Vorschläge Anderer begeistern, sie fördern und motivieren können – außer es geht um ihre eigenen Ideen. Ähnliches findet sich bei Menschen, die als echte Umsetzer und durchsetzungsstarke Macher gelten; sie sind selten Meister im Abwägen der Argumente von Anderen.

Teams sind dann stark, wenn es gelingt, Individualisten mit komplementären Stärken zusammenzubringen. Ein Team von zwei bis vier Menschen vervielfacht seine unternehmerischen Fähigkeiten und kann deshalb wachsen. Und Wachstum wiederum ermöglicht es erst, dass sich die unternehmerischen Fähigkeiten der Gründer entwickeln. Teams sind meiner Erfahrung nach dann sinnvoll, wenn sie in der Lage sind, in schnellen Lernprozessen dieses "Wachstums-Dilemma" aufzulösen. Das Buch "Founders at Work – Stories of Start-up's Early Days" gibt hier fundierte Einblicke.

Was kann man dafür tun? Selbsteinschätzungen vornehmen und Feedback einholen! Eine hervorragende Struktur dazu findet sich am Ende des ersten Kapitels im bereits erwähnten Timmons/Spinelli "New Venture Creation". Weitere Infos zum Thema finden Sie bei der UnternehmerTUM im Bereich "Schlüsselkompetenzen".  Verstehen Sie ihre Rolle im Team! Der Belbin-Test bietet eine kostengünstige Möglichkeit dafür. Nicht zu viele Partner suchen! Ein bis zwei Personen reichen, andernfalls leidet die Entscheidungsfindung. Gründen Sie nicht mit engen Freunden! Es sei denn, Sie kennen die jeweiligen Stärken und Schwächen wirklich gut und haben darüber offen kommuniziert.

Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"

© 2009 förderland
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