Interview mit John Minah, blauarbeit.de - "Eine weitere Finanzierungsrunde ist für uns nicht zwingend notwendig"
25.09.08 13:30
Interview mit John Minah, blauarbeit.de

"Eine weitere Finanzierungsrunde ist für uns nicht zwingend notwendig"

John Minah ist Gründer und Geschäftsführer der Portal United Ltd. Das Kölner Unternehmen startete 2004 mit blauarbeit.de - einem Internet-Auktionshaus für Dienstleistungen. Mittlerweile wurde das Angebot um mehrere Satelliten-Portale, wie beispielsweise HausHelden.de, erweitert. Im Mai dieses Jahres ging mit der Dienstleistungsplattform eGenie.co.uk in Großbritannien auch der erste nicht deutschsprachige Auslands-Ableger an den Start.

Die beiden blauarbeit.de-Gründer: Ramin Ziai und John Minah (rechts).
Die beiden blauarbeit.de-Gründer: Ramin Ziai und John Minah (rechts).

förderland: Herr Minah, seit unserem letzten Gespräch im Oktober 2007 hat sich einiges bei Ihnen getan. Seit Mai betreiben Sie jetzt mit eGenie.co.uk eine Art britisches blauarbeit.de. Wie hat sich das Portal bisher entwickelt?

John Minah:
Wir sind erfreut und überrascht zugleich. Schon nach so kurzer Zeit haben wir mehr als 1.200 aktive Aufträge in der Datenbank und liegen damit quasi Kopf-an-Kopf mit unserem Hauptwettbewerber. Die Analyse des Marktes auf Grundlage der uns bis 2007 zur Verfügung stehenden Zahlen und die nun vorhandenen Ergebnisse der beiden ersten Quartale haben gezeigt, dass wir mit der Entscheidung, den ersten Internationalisierungsschritt nach England einzuleiten, goldrichtig lagen. Unser Neugeborenes in England ist hungrig, wird auf der Insel ausgiebig gefüttert und wächst und gedeiht.

förderland: Sind Sie mit der Entwicklung Ihres englischsprachigen Ablegers zufrieden?

Minah:
Ja. Wir beobachten einen überdurchschnittlichen Wachstumsverlauf, der unsere Erwartungen mehr als bestätigt. In UK wachsen wir um ein Vielfaches schneller als damals in Deutschland. Sie müssen verstehen: England ist ein Problemkind, was zwei sehr präsente Themen anbelangt:

Auf der einen Seite kämpfen unsere englischen Nachbarn gegen das große Thema der sogenannten "Cowboy Builder", so lautet in England die gängige Formulierung für unzuverlässige Handwerker, die Ihren Beruf ohne qualifizierende Zertifikate - jedoch obendrein meist noch mit einer gehörigen Anzahlung – ausüben und zudem die Baustelle ihrer Kunden halbfertig bis verpfuscht hinterlassen. Das muss man mal knallhart so sagen.

Auf der anderen Seite spüren wir in UK die deutlich stärkeren Auswirkungen der aktuellen Bankenkrise. Häuslebauer bekommen zunehmend Finanzierungsschwierigkeiten, weil die Kosten für die Finanzierung von Neubauten und Umbaumaßnahmen ebenfalls gestiegen sind. Jetzt sind gute Dienstleister und vor allem faire Preise gefragt.

Die Resonanz und flächendeckend breite Akzeptanz unseres Portals zeigt, dass wir genau diese Lücke mit eGenie.co.uk füllen.
 
förderland: Was waren die größten Hürden bei der Expansion über den Ärmelkanal?

Minah:
Die täglich administrativ anfallenden und oftmals umständlichen Bürokratien in der Kommunikation mit offiziellen Stellen. Ein Unternehmen in England auf die Beine zu stellen, bedarf mit Sicherheit eines nicht minderen Aufwands als ein Unternehmen in Deutschland zu gründen und es gibt viele nicht  einfach zu überwindende "formelle" Hürden.

Hinzu kommt natürlich, dass der deutsche Markt nicht eins zu eins auf England zu übertragen ist. Genauso wie es politische, kulturelle und sprachliche Unterschiede zwischen England und Deutschland gibt, so zeichnen sich auch wirtschaftliche Unterschiede ab, beispielsweise beim Nutzungsverhalten von Online-Portalen. Wir haben eine Menge Energie in die Indentifikation dieser Unterschiede und deren konzeptioneller Umsetzung investiert. Aber das macht das Ganze ja auch spannend.    

förderland: Haben Sie Mitarbeiter vor Ort, die sich um das Portal kümmern, oder machen Sie das von Ihrem deutschen Standort aus?

Minah:
Wir setzen einen Teil unserer Arbeitskräfte von Deutschland aus ein, wie etwa Support-Mitarbeiter, die die nach Deutschland delegierten Anfragen bearbeiten. Glücklicherweise erlaubt uns die Struktur unseres Portals, solche Anfragen auf einer minimalen Frequenz zu halten. Aber natürlich geht es auch nicht ohne Manpower vor Ort. Unser "Auslandskorrespondent" ist Stefan Tröster, der als Director UK zusammen mit einem Team von PR- und Marketing-Experten die zentrale Steuerung von eGenie.co.uk übernimmt.

förderland: Soll es bei der Expansion nach Großbritannien bleiben oder haben Sie noch weitere Länder im Visier?

Minah:
Die räumliche und vertikale Expansion ist zentraler Bestandteil unserer Wachstumsstrategie. Durch unsere Erfahrungen mit blauarbeit.de, haushelden.de, eventhelden.de, umzugsauftrag.de und eGenie.co.uk haben wir mittlerweile die technischen und organisatorischen Voraussetzungen perfektioniert, um schnell und effektiv neue Portale zu etablieren. Wir werden unserem Sprössling in England eine gute Ausbildung zukommen lassen und ihn zu Selbstständigkeit und Reife erziehen. Parallel arbeiten wir an weiteren anderssprachigen Geschwistern. Eine konkretere offizielle Antwort auf diese Frage gibt es bald.

förderland: Mit Profis.de hat hierzulande ja bereits einer Ihrer Konkurrenten aufgegeben. Was haben die Betreiber des Portals Ihrer Ansicht nach falsch gemacht?

Minah:
Profis.de aus dem Hause Bild.T-Online zählt sicherlich zu den größeren Mitbewerbern, die wir abschütteln konnten. Mittlerweile gehört T-Online zu unserem Kooperationsnetzwerk. Ich kann und will mir hier nur sehr schwer ein Urteil erlauben, da ich die internen Geschäftsprozesse unserer Mitbewerber natürlich nicht kenne.

Um aber die für dieses Konzept anfangs notwendige Traktion zu generieren, spielt der Time to Market eine zentrale Rolle.

förderland: Vor kurzem haben Sie neben HausHelden.de und UmzugsAuftrag.de mit EventHelden.de bereits das dritte Satellitenportal nach dem blauarbeit-Prinzip gestartet. Haben Sie keine Angst, sich zu verzetteln? 

Minah:
Angst nicht, aber das ist eine Fragestellung, die wir sehr prominent auf unserem Radar haben. Wir achten darauf, dass die personellen Kapazitäten mitwachsen. Zudem haben wir einen Großteil unserer internen Unternehmensstrukturen systematisiert, sodass diese beliebig oft repliziert werden können. So ergibt 1+1 nicht 2, sondern 3. Es hat sich gezeigt, dass wir mit der Vertikalisierung aus unserem Mutterschiff heraus einzelne Märkte noch genauer ansprechen und betreuen können. Der User will schnell und einfach ein gerahmtes Porträt, das in sein Wohnzimmer passt. Und wir malen ihm das passgenaue Bild, das er sich für seine bestimmte Lebenslage wünscht.

förderland: Im März 2007 haben Sie sich mit Euro Serve Media einen strategischen Investor ins Boot geholt – wie ist die Zusammenarbeit bisher verlaufen?

Minah:
ESM ist eng mit dem Müller Medien Verlag verzahnt, einem der größten Verlage aus dem "Gelbe Seiten"-Netzwerk. Vor diesem Hintergrund gibt es allein schon thematisch und strategisch viele Anknüpfungspunkte. Unser Investor hat über die letzten Jahre die Online-Aktivitäten deutlich aufgestockt, sodass in einigen Bereichen ein fruchtbarer Know-how-Austausch stattfindet. Wichtige Unterstützung in der Zusammenarbeit leistete der Investor beispielsweise durch ein umfassendes Kontaktnetzwerk lokal wie international, was uns einige Wege erspart hat. Außerdem ist für uns die Unterstützung in eher lästigen Fragen wie etwa Rechtsangelegenheiten ein angenehmer Bestandteil unserer Zusammenarbeit.

förderland: Planen Sie eine weitere Finanzierungsrunde?

Minah:
Durch die ganze Anlage unseres Unternehmens, beispielsweise dokumentiert durch unsere Marketingstrategie, ist eine weitere Finanzierungsrunde für uns nicht zwingend notwendig. Anders als unser Hauptkonkurrent, investieren wir sehr gezielt in Marketing, machen keine Fernsehwerbung und schalten keine überteuerten Anzeigen – vielmehr setzen wir auf Online-, Smart- und Guerilla-Marketing sowie PR. Als vormals eigenfinanziertes Start-up haben wir sehr schnell gelernt, den Return on Investment als wichtigen Bestandteil unserer Entscheidungen zu berücksichtigen.

förderland: Wo wollen Sie in einem Jahr mit blauarbeit stehen? Was steht als nächstes auf Ihrer To-Do-Liste?

Minah:
Wir wollen den eingeschlagenen Kurs beibehalten und weiter forcieren: Internationalisieren und Vertikalisieren und damit die Marktanteile in Deutschland und Europa weiter ausbauen. Wir befinden uns in einem sehr kompetitiven Marktumfeld, weshalb wir uns mit der konkreten Nennung der nächsten Steps etwas zurückhalten müssen.

förderland: Vielen Dank für das Gespräch.

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Kommentare zu "Eine weitere Finanzierungsrunde ist für ...

Nie mehr solche Vereine!

Gut zu wissen welche Vereine da noch dazu gehören! Nie wieder als Handwerker bei so Verein. Hände weg vom Starter-Paket (bei denen Free-Mitglied für 9,99 Euro?). Ist der reine Betrug. Angeblich 20 Kontakte im Monat und dann wird der Kontakt obwohl kein Basic oder Premium Kontakt abgelehnt. Aufträge hauptsächlich 1 - 2 Monate alt. Spart Euch euer Geld liebe Kollegen oder versenkt es in Werbung. Kommt mehr bei heraus.

Diese Nachricht wurde von Alex Fromm am 07.02.12 (22:43:46) kommentiert.
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