Feedback – Fluch oder Segen II
Ein Grauen hat unsere Welt erfasst und lässt sie nicht mehr los. Es, das "Feedback" ist zum Grauen für viele Menschen geworden, weil es häufig ungefragt, unüberlegt und unprofessionell abgegeben wird. Sie werden jetzt denken: "Aber Feedback zu geben ist doch wichtig!" Natürlich ist Feedback wichtig! Klar, das unterschreibt jeder. Aber die versteckte (gefährliche) Botschaft darin lautet: Feedback ist wichtig, solange es positiv ist! Alles Nicht-Positive verbuchen wir schnell als persönliche Kritik oder als Angriff, egal wie sinnvoll oder unsinnig die Einlassung war. Was macht die "Kritik" zum Wolf im Schafspelz? Dazu vier Gedanken:
1. Kritik ist meist wertend und anklagend. Man fühlt sich bedroht durch Kritik. Es kratzt am Selbstwertgefühl. Feedback dagegen unterstützt mit konkreten Informationen, die mich als Empfänger motivieren soll, mein kritisiertes Verhalten zumindest neu zu bedenken.
2. Kritik zeigt meist zwischen den Zeilen eine ziemlich schlechte Meinung über persönliche Beweggründe. Feedback dagegen reagiert meist nur auf das tatsächlich beobachtbare Verhalten.
3. Kritik von der schlechten Sorte umfasst meist Ratschläge oder Ultimaten, z. B. in welche Richtung man sich verändern sollte. Darauf kann man eigentlich nur defensiv reagieren. Feedback andererseits achtet nicht so stark darauf, wie sich der Empfänger ändern sollte. Ein guter Feedback-Geber würde in dem Fall versuchen, eine Diskussion über die Vorzüge von Veränderungen zu veranlassen.
4. Kritik will eine Verhaltensänderung provozieren. Das klappt selten, wenn man dem Empfänger sagt, was er schlecht gemacht hat. Effektiver ist es, den Empfänger selbst zu fragen, was er hätte besser machen können. Diese Art von impliziter Kritik kann ich natürlich dann persönlich am besten vertragen, wenn ich sonst viel positives Feedback erhalte.
In Wahrheit muss man also erst mal selbstbewusst und robust genug sein, sich überhaupt Kritik anzuhören und sinnentnehmend zu verstehen. Was ich mit der Kritik mache, kann ich ja immer noch selber entscheiden. Erst Mal zuhören und nicht sofort in die Defensive zu gehen, würde ich vorschlagen zu tun. Also Zuhören, sacken lassen und heraus hören, welcher Teil der Kritik wertvoll und nützlich ist. Stellen Sie sich der Kritik und fragen Sie gezielt nach, um den Kern der Kritik zu verstehen.
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung".
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