Start-ups international
Andere Länder - Andere Start-ups
Der versierte Gründer sollte sich stets über die aktuellen Strömungen in der Wirtschaft vergewissern. Noch effektiver als ein scharfer Blick ist jedoch der Überblick. Ansinnen dieser Artikelreihe ist es, ein Stück zu eben diesem Überblick beizutragen. Heute im Fokus: Ein amerikanisches Start-up, das sich der Schaffung neuer Ideen in Unternehmen widmet, ein weiteres US-Unternehmen arbeitet mit dem Modell des gläsernen Internet-Surfers. Letztendlich schließt ein niederländisches Unternehmen die Runde ab, das Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt antizipiert.
Und alle so ... "innovativ!"
spigit.com - "Innovativ!" - eindeutig das Lieblingswort der deutschen Wirtschaft. Jeder, der etwas auf sich oder seine Firma hält, ist innovativ. Bayern ist es und Nordrhein-Westfalen erst recht. Da sollte nur einmal jemand daherkommen und etwas anderes behaupten! Während man hierzulande sich also einig ist, dass man innovativ und vielleicht sogar noch ein wenig innovativer als die anderen ist, wie Baden-Württemberg gerne von sich behauptet, bastelt in den USA derweil ein Unternehmen daran, diese Worthülse tatsächlich zu befüllen. Und zwar mit der Entwicklung ihrer Ideen-Software spigit. spigit, nämlich, dient zur Ideengenerierung und zur Steigerung der (jetzt kommt's) Innovationskraft in größeren Unternehmen. Wie das genau funktioniert? Spigit installiert eine Art firmeninterne Social-Community, die allein zum Ziel hat, Ideen vorzustellen. Jeder Mitarbeiter kann dies tun - seine Idee en detail beschreiben, noch verschiedene Medien hinzufügen, darüber diskutieren und dezidiert abstimmen lassen oder seine Idee sogar auf einem Pseudo-Aktienmarkt verkaufen. Das Verkaufen geschieht hier mit Spielgeld, was die Firmenleitung jedem Mitarbeiter zur Verfügung stellt. Von den Spielgeld kann der Ideengeber nachher verschiedene Preise erwerben.
Potential: Dass dieser Service eine große Zukunft hat, daran gibt es keinen Zweifel. Denn immer mehr Unternehmen kommen auf den Trichter, dass nicht nur die überbezahlten Führungskräfte denken können, sondern die gesamte Belegschaft. Gerade da, wo sich Menschen tagtäglich mit den Strukturen und Abläufen des Unternehmens herumschlagen müssen, gerade da, wo man die Ecken und Kanten der weiter oben getroffenen Entscheidungen am deutlichsten spürt, ist auch der Wille zur Verbesserung am größten. Diese Potential haben auch die Investoren erkannt und spigit mal eben 10 Millionen Dollar zugeschanzt. Doch spigit ist nicht nur konzeptionell stark, sondern ebenfalls in der Umsetzung. Ob es die Empfangsseite ist, wo die Geschäftsführung die neuesten Herausforderungen vorstellt, die einfache Bedienbarkeit der einzelnen Elemente oder die Art wie jedem Mitarbeiter eine Stimme und die Möglichkeit der Einflussname verliehen wird - spigit hat alles vorbildlich gelöst. Betriebliche Mitbestimmung kann auf diese Weise zum wirtschaftlichen Erfolg werden. Merke: Lass' "Make it social!" keine Floskel sein.
Mein Haus, mein Auto, meine Werbung!
bizo.com - Hurra! Das Klassenbewusstsein ist nun endgültig auch im Internet angekommen. Denn mit Hilfe des Dienstes, den das amerikanische Start-up bizo anbietet, kann man sich jetzt richtig mit Stil über den Tisch ziehen lassen. Wirklich perfide, die Technologie, die sich die Kalifornier ausgedacht haben: Nur derjenige, der einen bestimmten hohen sozialen und monetären Status hat, wird von der Online-Werbung, die bizo verwaltet, berieselt. So sorgt dieser Service dafür, dass Werbebanner für überteuerte Barbour-Jacken, Timberland-Segelschuhe und blaugestreifte Hemden nur bei den Besserverdienern ankommen - der Pöbel bekommt dann die Kik-Banner. Allerdings sollte man nicht nachfragen, wie bizo das zu Stande bringt. Die Antwort ist nämlich alles andere als angenehm für die betroffenen Alphashopper. Das Start-up kauft nämlich aus allerlei Quellen Daten über die Zielgruppe und sorgt auch mit eigenen Cookies dafür, dass das Surf- und Klick-Verhalten der armen Reichen Stück für Stück analysiert wird, um die Profile immer präziser zu schärfen.
Potential: Offensichtlich scheint der Handel mit dem gläsernen Websurfer, den der bizo-Chef mit dem vielsagenden Namen Russel Glass aufgebaut hat, ein einträgliches Geschäft zu sein. Luxuswaren-Händler haben einen viel höheren Return-On-Investment zu erwarten, da teure Werbe-Einblendungen nicht mehr an unqualifizierte Surfer "verschwendet" werden. Doch auch der Handel für geringwertigere Güter profitiert auf eine ironische Art und Weise von dem bizo-Dienst, denn die unnützen Schaltungen für niederpreisige Produkte kommt nun nicht mehr bei den ca. 45 Millionen bizo-Zielkunden an, die wohl eher auf Luxusgüter stehen. Die größten Konkurrenten dieses Start-ups sind übrigens Googles DoubleClick und Linked-In. Vor allem LinkedIn, denn niemand kann seine Werbezielkunden so exakt profilieren wie die Business-Community. Ob man übrigens von bizo für würdig befunden ist und welche Daten über einen angelegt sind, erfährt man hier.
Merke: Gewissen aus - Gelddruckmaschine an!
Flaches Land - hohes Niveau!
kiesjewerkgever.nl - Für alle Nicht-Flachländer: Aus dem Niederländischen übersetzt, heißt der Titel dieser Website:"Such Dir Deinen Arbeitgeber aus." Damit ist auch schon recht schnell der Ansatz, den dieses Start-up verfolgt, erklärt. Auf der einen Seite haben wir hier eine herkömmliche Recruiting-Plattform mit Zugängen für Arbeitgeber einerseits und karrierewilligen Arbeitnehmern auf der anderen Seite. Das Besondere hierbei ist aber die Art, wie kiesjewerkgever auf die Nutzer zugeht. Kommt man nämlich auf der Startseite an, wird man zu allererst aufgefordert, doch ein paar Tests hinter sich zu bringen. Einerseits um sich besser kennen zu lernen, andererseits natürlich, um ein Profil zu erstellen, das dem Arbeitgeber verrät, mit wem er es hier zu tun hat. Und hier kommt noch eine andere Besonderheit ins Spiel: kiesjewerkgever versteht sich als eine Art Schnittstelle zwischen Unternehmen und zukünftigem Personal. Es werden also keine konkreten Stellen ausgeschrieben, sondern dauernd nach Übereinstimmungen geschaut - auf beiden Seiten. Von der Kommunikation her wird der Arbeitnehmer in eine stärkere Position gerückt - doch ob die Rollen bei einem eventuellen Bewerbungsgespräch noch immer so verteilt sind bleibt fraglich.
Potential: Diese neue Art, den Kontakt zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer herzustellen, ist interessant. Es zeigt, dass in bestimmten Branchen, der qualifizierte Arbeitnehmer mehr und mehr den Unterschied im Wettbewerb macht und er dementsprechend eine bessere Position beim Aushandeln des Arbeitsvertrags einnimmt. Die Seite der Niederländer ist jedenfalls recht gut gelungen und die Persönlichkeitstest sind vielseitig und ausgefeilt. Das Team hinter kiesjewerkgever hat die Zeichen der Zeit erkannt und seine Idee sehr gut und professionell umgesetzt. Hoffen wir für unsere Nachbarn, dass sie mit Hilfe dieses Web-Services endlich eine Fussballmannschaft zusammenbekommen, die in Südafrika wenigstens einmal am Triumph riechen darf.
Merke: Du willst den Markt neu aufmischen? Dreh den Spieß doch einmal um!
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