Himmel für Business Angels hellt sich auf
Die Veränderung der Stimmung der Business Angels in Deutschland lässt sich mittels eines Bildes aus dem Wetterbericht zeichnen: Die dunklen Wolken verziehen sich langsam; es gibt zwar immer wieder einmal Störungen, doch insgesamt kommt die Sonne öfter hervor und lässt auf ein längerfristiges Hoch hoffen.

Essen, 23. Oktober 2006. Diesen Eindruck vermittelt eine vergleichende Analyse des Business Angels Panels, das die VDI nachrichten gemeinsam mit Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. unter wissenschaftlicher Begleitung der WHU Koblenz und der RWTH Aachen vierteljährlich erheben.
Hatten die Business Angels noch im 2. Quartal 2005 angesichts der bevorstehenden Bundestagswahlen ein mulmiges Gefühl, so besserte sich die Meinung zur Geschäftslage und zu den Geschäftsaussichten anschließend. Im 1. Quartal 2006 erreichte die Bewertung der Geschäftslage mit 5,07 von 7 zu vergebenden Punkten einen nie da gewesenen Spitzenwert. Ein Grund war vermutlich die positive Stimmung, die von der Regierungserklärung ausging, die erstmals die 1% Wesentlichkeitsgrenze bei der Versteuerung von Veräußerungsgewinnen problematisierte.
Noch wichtiger aber dürften die gute Verfassung der Weltwirtschaft, die positiven Erfahrungen mit dem High-Tech-Gründerfonds sowie die Aussicht, über den Entry Standard der Deutschen Börse künftig wieder Exits auch junger Unternehmen zu sehen, gewesen sein. Wenn sich die Bewertung im 2. Quartal 2006 wieder auf 4,88 Punkte senkte, hatte das neben zyklischen Aspekten auch zum Grund, dass sich tatsächlich noch nichts seitens der Bundesregierung getan hat, um die steuerliche Benachteiligung von Business Angels in Deutschland im Vergleich zum Ausland zu beheben.
Die insgesamt positive Stimmung ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass es wieder Exits gibt, die nicht Totalverlust heißen. Panel I für 2006 vermeldete drei Verkäufe an strategische Investoren, einen an die Gründer und zwei Börsengänge, jedoch keine Liquidation, Panel II 2006 stand dem nicht viel nach, obwohl es zwei Verluste anzeigte: Mit vier Verkäufen an Investoren, einem an die Gründer und zwei Börsengängen steigerte sich sogar noch einmal das Marktgeschehen bei den Exits.
Die Zahl der im Portfolio der einzelnen Angels lagernden Beteiligungen ist dabei im letzten Jahr – auch wenn man statistische Verzerrungen mit berücksichtigt – konstant gestiegen. Hielt im 2. Quartal 2005 jeder Panelteilnehmer durchschnittlich 3,77 Beteiligungen, so waren es ein Jahr später bereits 6,73 Start-ups. Verfügbare Mittel sind bei den Panel-Teilnehmern dennoch genügend vorhanden. Auch wenn sich die Kasse durch vermehrte Beteiligungen im letzten Jahr leicht geleert hat, weil zur Zeit jeder zweite Business Angel pro Quartal immerhin einen Deal macht, sind noch nicht einmal zwei Drittel des verfügbaren Kapitels investiert.
Was Branche bzw. Technologie angeht, hat sich das Interesse der Business Angels im letzten Jahr kaum verändert. Medizintechnik, Life Science, Umwelttechniken, Neue Materialien und Biotechnologie sind die Big Five als Angels Lieblinge.
Erfreulich ist, dass Business Angels nach wie vor ihrem Ruf als die wesentlichen Erstfinanziers von Start-ups treu geblieben sind. So flossen im 2. Quartal – ähnlich wie schon vorher – 62% der Mittel in Erstinvestments, der Rest diente der Weiterfinanzierung von Unternehmen, die bereits „unter den Fittichen“ dieser Engel standen. Auch haben Business Angels in 53% der Fälle weniger als 10 % Kapitalbeteiligung erworben. Dies zeigt, das sie sich nach wie vor als klassische Engel betätigen und nicht das operative Geschäft bestimmen wollen, sondern dies den Gründern zu überlassen.
Das von BAND beim Deutschen Business Angels Tag 2005 als Trendpoint apostrophierte größere Risikobewusstsein der Business Angels wird durch die Panel Umfragen bestätigt. Gab es bei Umfragen in früheren Jahren durchschnittliche Einzelinvestitionen von über 200.000 €, so pendelte sich dieser Betrag im Jahr 2006 zwischen 50.000 und 100.000 € ein. Die Business Angels bekennen freimütig, dass sie zum Zweck der Risikostreuung die Syndizierung mit anderen Engeln oder das Co-Venture mit Venture Capital Fonds suchen.
In diesem Zusammenhang interessante Aufschlüsse ergab eine Zusatzumfrage in II 2006. VCs beklagten zu 31% zu hohe Bewertungen der Unternehmen durch Business Angels, während umgekehrt diese zur Hälfte zu große Passivität der VCs bemängelten.
Immerhin, die früher von VCs geäußerte Skepsis gegenüber der Professionalität von BAs ist gewichen: 86% der VCs erkennen den Mehrwert an, den die Business Angels durch ihr Netzwerk und ihre Erfahrung einbringen. Beide Seiten wünschen künftig Kooperation: bei den VCs 90%, bei den Angels 76%. Der BVK als Verband der VCs und BAND werden deswegen am 29. November 2006 in Berlin einen Workshop durchführen, um Fragen der Zusammenarbeit zwischen VCs und BAs zu klären.
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