Kolumne von Oliver Bücken, UnternehmerTUM
Geschäftsideen schützt man nicht!
Was muss man eigentlich als Gründer von seiner Idee preisgeben, wenn man Seed-Money von Business Angels oder Venture Capitalisten haben will? Zwei Gedanken dazu.
Der erste Gedanke: Anfragen von Gründern an Business Angels im BAND (Business-Angel-Netzwerk-Deutschland) werden immer nichtssagender. E-Mail-Adresse und Telefonnummer werden angegeben und dass man eine tolle Idee im Bereich soundso hat, aber leider aus Vertraulichkeit noch nichts schreiben könne. Ob man interessiert sei? So ein Quatsch – welcher Business Angel greift denn eine Geschäftsidee Eins-zu-Eins-auf? So etwas "schweigt" sich ganz schnell herum.
Ich kann von allzu großer Geheimniskrämerei nur abraten. Ausnahme: Ihre Geschäftsidee beruht auf einer Technologie, die patentierbar ist. Da in Deutschland und Europa das Prinzip "first to file" gilt, kann derjenige das Patent anmelden, der es eben tut, egal ob er der Erfinder ist oder nicht. Zum anderen wird eine Patentanmeldung dadurch verhindert, dass sie vorher veröffentlicht wurde. Die Definition von "Öffentlichkeit" ist aber eben nicht eine geschlossene Community wie zum Beispiel BAND, B-to-V, CatCap oder andere. Also bei patentwürdigen Erfindungen ist ein gesundes Misstrauen gegenüber Geldgebern und Industriepartnern angesagt.
Dennoch – Angel und VC wollen natürlich wissen, WAS das Ergebnis der Lösung ist. WIE man zur Lösung des Kundenproblems kommt, ist erstmal unwichtig für den Finanzier. Die Preisgabe erfolgt in Form eines Mantras, zwei zusammenfassenden Sätzen eines Elevator Pitches oder einer Executive Summary. Der Business Angel oder Venture Capitalist MUSS die Geschäftsidee kennenlernen, BEVOR er den Businessplan anfordert.
Der zweite Gedanke – Gründer fragen Geldgeber immer wieder nach einer Vertraulichkeitserklärung/ NDA. Was soll das bringen? Es besteht kein Risiko, dass VCs sich etwa junge Unternehmer suchen, um eine Idee umzusetzen. Siehe oben - so etwas "schweigt" sich ganz schnell herum. Im Übrigen ist ein Schaden kaum beweisbar; jemanden aus einem NDA in Haftung zu nehmen ist fast unmöglich. Solange es "nur" um eine Geschäftsidee geht, also der Beweis, dass das Geschäftsmodell funktioniert, noch nicht erbracht ist, nutzen NDA nichts. Hat man bereits einen Funktionsprototypen oder bereitet sich auf eine Patentanmeldung vor, dann macht ein NDA sicher Sinn. Aber man muss selbst dann wissen, dass er mehr ein Appell an die "guten Sitten" ist, als eine echte, geldwerte Absicherung.
Schließlich muss man sich als Gründer immer vor Augen halten: Sie als Gründer wollen etwas von den VCs und Angels, nicht umgekehrt! Das Angebot an Geschäftsideen übersteigt das zur Verfügung stehende Kapital. Gute Deals sind rar. Es muss heftig gesiebt werden. VCs und Angel sind nicht damit beschäftigt, Ideen zu stehlen – Ausnahme: Es gibt Angels, die Geschäftsideen generieren und dafür gute Leute suchen. Das kann dann auf Seiten der Gründer schon mal dazu führen, dass man seine eigene Idee fallen lässt. Solche Konstellationen entstehen aber nicht, wenn man sich als Gründer zu geheimniskrämerisch gegeben hat.
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"
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Kommentare zu Geschäftsideen schützt man nicht!
Herr
Lieber Herr Bücken, auch aus Gründersicht gebe ich Ihnen völlig Recht. Nach anfänglicher Geheimniskrämerei habe ich nun meine Gründeridee sogar komplett online gestellt.
Das Problem ist nicht der Ideenklau, sondern umgekehrt ein auch nur minimales Interesse der Umwelt - und hier sind nicht einmal Investoren die große Hürde, sondern engagierte und willige Mitgründer ...
Geschäftsideen schützt man nicht
Hallo Herr Schürmann,
Sie haben (auch) recht - der Ideenklau ist nur ein Aspekt. Ich verstehe auch nicht, warum viele Gründer nicht mehr Marketing in eigener Sache machen. Zu einem ähnlichen Thema habe ich übrigens hier auf förderland etwas kommentiert.
Grüße
Oliver Bücken
Ideen verkaufen und nicht verbergen
Man kann es vergleichen mit einem Manuskript. Wenn man einem Verlag ein Manuskript anbietet, dann sollte man die besten Stellen mit dem besten Einfällen dem Verlag präsentieren. Wer seine besten Ideen zurückhält, der kommt gar nicht dazu, sein Buch zu veröffentlichen oder Geld für sein Unternehmen zu bekommen. Was nützen dann noch die guten Ideen?