Und wer macht die Finanzen?
Auf die Frage "Und wer macht die Finanzen?" schreit gemeinhin keiner sofort "Hurra - ich mach's". Aber einer muss die Finanzen im Team übernehmen. Welche Skills braucht man eigentlich dafür?
Man muss ein Faible für Systeme haben, Zusammenhänge erkennen können und bereit sein, sich so fit zu machen, um einen Dienstleister (für die Buchführung, für die Steuerberatung, für die Aufstellung der Bilanz etc.) führen zu können. Die gute Nachricht ist - man kann NIE so fit werden, dass man ohne Dienstleister auskommt.
Das Thema Finanzen kann man von mehreren Seiten aufzäumen. In unserem Businessplan-Aufbauseminar bei der UnternehmerTUM halten wir es so, zunächst anhand realer Bilanzen eines Start-ups die formale Gründungsphase zu thematisieren (Schritte zur Gründung, Haftungsfragen bei der Gründung, Eröffnungsbilanz, Finanzierung etc.). Damit schaffen wir die Grundlage für das Verständnis einer Bilanz und einer Gewinn- und Verlustrechnung (G&V). So werden die Zusammenhänge zwischen einer Bilanz und einer G&V praxisnah erläutert. Beispielsweise ist nicht jedem Studenten klar, dass die Bilanz ausgeglichen ist, weil das G&V-Konto, ein Unterkonto des Eigenkapitalkontos, auf der Passivseite der Bilanz ist.
Die Teams stellen danach ihre Annahmen für eine G&V vor - dies ist keine akademische Übung. Es ist die Vorbereitung auf die Erstellung einer integrierten Finanzplanung. Jede Finanzplanung ist nur so gut wie der Input. Also bevor man Excel-Sheets erstellt und, noch schlimmer, miteinander verknüpft, sollte man die Annahmen für seine Erlöse und die Kosten aufschreiben.
Erst danach erhalten alle Teams in unseren Seminaren ein Tool, mit dem die UnternehmerTUM gute Erfahrungen gemacht hat - UGS-SIM. Das ist ein Programm, bei dem man schrittweise durch die Erstellung einer Finanzplanung für ein zu gründendes Unternehmen geführt wird - Preise, Mengen, Kapazitäten, Personal, betrieblicher Aufwand, Einkauf und Investitionen. Als Ergebnis erhält man den Kapitalbedarf (inklusive aller Finanzierungsprogramme und Förderungen), die Verbindlichkeiten, Deckungsbeiträge, Bilanzen, G&V, Kennzahlen und die Liquiditätsrechnung.
Das Charmante an dem Programm ist, dass man nicht anfangen muss, komplexe Excel-Sheets zu programmieren. Liebhaber umfangreicher Excel-Tabellenblätter wundern sich nämlich erst, dass die Bilanz nicht aufgeht. Dann wird diese weggelassen, "weil ja nur die cash-flow-Betrachtung zählt". Weitere Fehlermeldungen signalisieren, dass man die G&V, Liquiditätsrechnung und Investitionsrechnung nicht synchronisiert bekommt. Kurzum: verschwendete Zeit! Annahmen kann man mit Excel berechnen und separat in ein stabiles System eingeben - mehr nicht!
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"
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