Kolumne von Oliver Bücken - Das "Leid" mit den Businessplänen
13.11.07 12:12
Kolumne von Oliver Bücken

Das "Leid" mit den Businessplänen

Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem Zentrum für Unternehmertum an der TU München. Pro Jahr werden hier rund 20 Start-up-Teams beim Unternehmensaufbau begleitet. In seiner förderland-Kolumne gewährt Oliver Bücken alle zwei Wochen Einblick in sein Businessplan-Grundlagenseminar "Geschäftsidee & Markt".

Googelt man nach dem Begriff Businessplan, bekommt man Millionen Einträge mit "Vorlagen", "Tools", "Checklisten" und "How to…" angeboten. Ein Unbedarfter könnte dadurch den Eindruck gewinnen: aha, so geht das - ich denk mir eine tolle Idee aus, schreibe einen Businessplan und schon erhalte ich von Venture Capitalisten oder Business Angels Geld und starte mein Geschäft!

Ich schätze, dass weniger als ein Prozent aller Unternehmen auf diese Art gegründet werden. Selbst in der inzwischen schon etwas verklärten Dotcom-Zeit lief es so nicht ab. In dem 2007 erschienen, lesenswerten Buch "Founders at Work: Stories of Startups` Early Days" finden sich unter den 32 (!) Interviews mit Unternehmern im Index gerade einmal zwei (!) Einträge zu "Businessplan" (Hotmail und Yahoo).

Woher kommt diese verzerrte Wahrnehmung der Bedeutung von Businessplänen? Von potentiellen Gründern werden sie meist als lästiges Übel angesehen, das Zeit kostet, keinen Wert schafft und einem keinen einzigen neuen Kunden bringt.

Zustimmung ist mir sicher, wenn ich zwei Dinge behaupte: Erstens sind Businesspläne überholt, sobald sie fertig geschrieben sind. Denn Märkte ändern sich, neue Wettbewerber treten hinzu, das Produkt wird technisch weiterentwickelt etc. Zweitens sind Businesspläne ziemlich unzuverlässig in der Vorhersage der Zukunft. Denn kaum ein erfolgreiches Unternehmen macht später das, was es in seinen Businessplan geschrieben hat. Als Unternehmer muss man flexibel sein und sich solange wandeln, bis das richtige Geschäftsmodell greift.

Also was soll das bedeutungsschwangere Gerede vom Nutzen eines Businessplans?

Sie schreiben ihn NICHT für potentielle Geldgeber, Kooperationspartner oder Mitarbeiter! Sie schreiben den Businessplan in erster Linie für sich. Um Ihre Gedanken zu strukturieren, zu Papier zu bringen und um sich zu entscheiden (welche allerersten Kunden erreiche ich, welches Problem löse ich beim Kunden, wie groß ist der potentielle Markt, wie stark wächst der Markt, wie komme ich in den Markt und an die Kunden, was kann ich besonders gut, wo hapert es noch, welche Mitstreiter brauche ich, wie viel Geld benötige ich, welche Exit-Option ist die wahrscheinlichste, …?). Das Schreiben (nicht das Durchdenken) eines Businessplans verdichtet Ihre Gedanken und hilft ihnen, Ihre Geschäftsidee zu kommunizieren.

Wenn Sie Ihre Geschäftsidee skizzieren, modellieren oder prototypisch umsetzen, gehen Sie auch nicht von der Vorstellung aus: ich baue einen Prototyp und so wird er später gebaut. Genauso verhält es sich mit dem Businessplan. Er ist nicht das Ziel, sondern ein Instrument, um zu lernen. Es sollte also eher "business planning" heißen, weil es um den Prozess geht und nicht um den Endzustand. Wer das verstanden hat, wird einen guten, verständlichen Businessplan schreiben. Natürlich gibt es viel mehr unzulängliche Businesspläne als gute unternehmerische Chancen. Deshalb wird jeder Adressat eines Businessplans Gründe finden, Ihren Plan nicht zu lesen oder zu verwerfen. Sie sind deshalb gezwungen, zu kommunizieren, das Interesse bei potentiellen Geldgebern, Mitarbeitern oder Kooperationspartnern aufrecht zu erhalten und ständig weiter an Ihrem Businessplan zu feilen.

Kein Businessplan wird 1:1 in der Realität umgesetzt. Gleichwohl erlebe ich es immer wieder in Seminaren, dass Studierende mehr an das Wort in Ihrem Businessplan glauben, als an den Test desselben durch eine Serie von Experimenten in der realen Welt. Experimente reduzieren Unsicherheiten - etwa mit Hilfe von Interviews, Kundenbefragungen, Prototypen, lokalen Angeboten oder Feedback von Beta-Nutzern. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus den Experimenten müssen dann Eingang in den Businessplan finden.

Businesspläne zeigen dem potentiellen Gründer Lücken auf. Sie sind papierene Ausrufeszeichen mit einer Handlungsaufforderung an die Gründer, die offenen Punkte anzugehen.

P.S.: In den Businessplan-Seminaren der UnternehmerTUM verwenden wir das Handbuch "Der optimale Businessplan" des Münchener Businessplan Wettbewerbs

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Kommentare zu Das "Leid" mit den Businessplänen

Businesspläne sind wichtig!

Aus eigener Erfahrung kann ich jedem Gründer zu einem Businessplan raten - auch wenn keine Investoren gesucht werden! Oft werden Schwierigkeiten und Finanzierungslücken erst im BP entdeckt. Außerdem setzt sich der Gründer so mit dem Markt und dem Produkt zwangsläufig auseinander! Schöner Beitrag - Danke!

Diese Nachricht wurde von julius am 13.11.07 (16:38:52) kommentiert.
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