"Natürlich reizt auch die Aussicht, ein attraktives Preisgeld zu gewinnen, zur Teilnahme"
förderland im Gespräch mit Dr. Ingo Krisch, Gewinner des Businessplan-Wettbewerbs Medizinwirtschaft 2007, über den Nutzen einer Wettbewerbsteilnahme, die Verwendung des Preisgeldes und die Hürden auf dem Weg zum marktreifen Produkt.
förderland: Herr Dr. Krisch, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz beim Businessplan-Wettbewerb Medizinwirtschaft. Würden Sie sich und Ihr Projekt bitte kurz vorstellen?
Dr. Ingo Krisch: Vielen Dank für Ihre Glückwünsche; auf diesen Preis sind wir stolz. Mein Name ist Ingo Krisch und ich arbeite derzeit noch als Physiker am Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS). Nach dem Physikstudium promovierte ich 1997 auf einem Gebiet der Grundlagenforschung in der Plasmaphysik. Parallel habe ich einen Masterabschluss in der medizinischen Physik erworben. Nach einem dreijährigen Auslandsaufenthalt in Frankreich und England habe ich als Projektleiter mit Budgetverantwortung in mehreren medizinischen Projekten, wie beispielsweise Retina Implantat gearbeitet.
Die Idee zu einer Miniaturkamera, die durch das Blut hindurch das Innere des Herzens abbilden kann, wurde von Prof. Dr. Jakob, Ärztlicher Direktor des Westdeutschen Herzzentrums Essen, motiviert. Mitarbeiter des Fraunhofer Institutes Duisburg, Prof. B. Hosticka (Ph.D.) und ich, haben diesen Wunsch aufgegriffen und in ein Verfahren umgesetzt. Im Rahmen einer Firmenausgründung aus dem Fraunhofer Institut in Duisburg soll diese Idee in einem Produkt kommerzialisiert werden. Das kardiovaskuläres Angioskop zur blutdurchdringenden Bildgebung stellt das initiale Produkt dar. Wie ein Endoskop, das über eine Öffnung in den Körper eingebracht wird, um lokal Bilder aufzunehmen, soll unser Gerät auch über einen Zugang am Hals oder in der Leiste des Patienten eingeführt werden. Jedoch existieren zwei generelle Unterschiede und Innovationen: Unser Bildgebungssystem wird über das Gefäßsystem, d.h. über das venöse (bzw. das arterielle) System eingeführt und bis zum Herzen vorgeschoben, bevor das distale Ende des Katheters vor Ort Bilder aufnimmt. Dank einer ausgefeilten Bildgebung im Infrarotbereich sind so Bilder vom Innern des schlagenden, blutgefüllten Herzens möglich, auch während eines operativen Eingriffs am Herzen.
förderland: Ist das gewonnene Preisgeld - insgesamt 30.000 Euro - schon verplant?
Krisch: Das gewonnene Preisgeld soll zum einen zur Erhöhung des Eigenkapitals für die Firma genutzt werden, zum anderen soll damit die initiale Öffentlichkeitsarbeit finanziert werden.
förderland: Die Teilnahme an einem Wettbewerb lässt sich nicht so nebenbei bewerkstelligen. Was hat Sie trotzdem dazu bewogen, an einem Businessplan-Wettbewerb teilzunehmen?
Krisch: Wenn man den Entschluss gefasst hat, ein Unternehmen zu gründen, muss gerade im Technologiebereich notwendigerweise ein Geschäftsplan geschrieben werden. In diesem Plan sind die verschiedenen Aspekte einer Gründung und deren Folgen erläutert. Kurz gesagt, die Arbeit muß sowieso getan werden. Dank der Unterstützung von der Fraunhofer Gesellschaft haben wir die nötigen Freiräume uns auf die Ausarbeitung eines Geschäftsplanes zu konzentrieren.
Der Businessplanwettbewerb von der Startbahn Ruhr bietet den Gründern die Chance, bereits frühzeitig mit anderen Geschäftsideen und deren Ausarbeitung in Wettstreit zu treten. Die Rückmeldung der Mentoren und der Juroren zur Halbzeit hat uns angeregt, an der einen oder anderen Sache noch einmal zu feilen. Gerade die Mentoren bringen sich auch aktiv in die Erstellung des Geschäftsplanes ein. Diese Zusatzinformation hilft also den Geschäftsplan schrittweise zu verbessern.
Die Teilnehmer des Wettbewerbes werden mittels Seminaren und Maßnahmen des Coaching aktiv unterstützt. Über den Wettbewerb bei der Startbahn Ruhr haben wir Kontakte zur Medizintechnikbranche knüpfen können, die wir später gewinnbringend nutzen werden.
Natürlich reizt auch die Aussicht, ein attraktives Preisgeld zu gewinnen, zur Teilnahme.
förderland: Von der ersten Idee bis zur tatsächlichen Gründung - was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Hürden auf dem Weg von der Idee zum marktreifen Produkt?
Krisch: Die größten Hürden sind,
1. die längerfristige Sicherung der Firma bzw. die Finanzierung des Vorhabens
2. das richtige Team zusammenzustellen
3. die Idee möglichst umfassend zu patentieren
4. die richtige Markteintrittsstrategie zu erarbeiten
5. kompetente Partner in der Produktentwicklung und für die klinische Studie zu finden
förderland: Ein Unternehmensaufbau ist in Ihrer Branche ja doch recht kostenintensiv. Haben Sie denn schon jemanden, der Ihnen finanziell zur Seite steht?
Krisch: Bei jeder Präsentation unseres Vorhabens bekamen wir durchweg positive Resonanz. Wir stehen mit verschiedenen Investoren und Business Angels in Kontakt, die endgültige Entscheidung fällt in den nächsten drei Monaten.
förderland: Haben sich denn schon potentielle Kunden bei Ihnen gemeldet oder ist das kardiovaskuläre Videoendoskop schon im praktischen Einsatz?
Krisch: Potentielle Kunden aus den verschiedenen medizinischen Disziplinen haben sich schon bei uns gemeldet. Wir wählen gerade diejenigen Referenzkunden aus, die mit uns dieses Produkt in den Markt bringen sollen. Den Markteintritt erwarten wir in 2,5 Jahren.
förderland: Ihr Businessplan steht - wie geht es nun weiter?
Krisch: Das Unternehmen befindet sich als ein Spin-off aus der Fraunhofer Gesellschaft in der Gründungsphase und soll bis Ende des Jahres 2007 operativ sein. Das Kerngeschäft des Unternehmens ist die Entwicklung und Vermarktung von hochinnovativen Komponenten und Systemen, die Umgebungen in intransparenten Flüssigkeiten endoskopisch untersuchen können.
Das Unternehmen soll im Ruhrgebiet gegründet werden. Derzeit besteht unser Team aus Herrn Kurzschenkel und mir. Herr Kurzschenkel kümmert sich um die Produktentwicklung, ich bin verantwortlich für die Ausgründung. Der erste Beirat wird sich zusammensetzen aus Prof. Dr. A. Grabmaier (Leiter IMS), Prof. Dr. B.J. Hosticka, Ph.D. (Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl für Mikroelektronische Systeme), Prof. Dr. H. Jakob (Ärztlicher Direktor des Westdeutschen Herzzentrums Essen, Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie, Universität Duisburg-Essen).
Derzeit bauen wir unser Netzwerk von Partnern weiter auf, einerseits für die Produktentwicklung und andererseits für die klinische Studie. Parallel entwickeln wir einen Demonstrator, um den medizinischen Anwendungsbereich noch besser abschätzen zu können.
förderland: Vielen Dank für das Gespräch.
© 2007 förderland
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