Interview mit Sven Schmidt, verwandt.de - "Reichweite ist die notwendige Voraussetzung für profitable Vermarktung"
26.06.07 08:48
Interview mit Sven Schmidt, verwandt.de

"Reichweite ist die notwendige Voraussetzung für profitable Vermarktung"

förderland im Gespräch mit Sven Schmidt, Mitgründer von verwandt.de, über profitable Vermarktung, unternehmerische Freiheit, die Liebe zur Selbstständigkeit, gute Mitarbeiter, B2C Internetprojekte und Hobby-Familienforschung.

Sven Schmidt (r.) und Daniel Grözinger
Eingespieltes Team: Sven Schmidt und Daniel Grözinger starten heute verwandt.de.
Bild: ICS Internet Consumer Services GmbH

förderland: Herr Schmidt, wer sind Sie, was können Sie, was machen Sie?

Sven Schmidt:
Ich bin zusammen mit Daniel Grözinger Geschäftsführer der ICS Internet Consumer Services GmbH, die die Projekte Dealjaeger.de und verwandt.de verantwortet. Wir fokussieren uns - wie der Name schon sagt - auf primär rein digitale B2C Internetprojekte. Im Jahr 2000 haben wir getgo.de ins Leben gerufen, danach den Bereich Neue Medien der CTS Eventim AG geleitet und 2005 dialo.de gegründet.

förderland: Im November 2006 haben Sie dealjaeger.de ins Leben gerufen. Wenige Monate später folgten dealjagd.de und dealhatz.de. Mit verwandt.de -das heute startet - stürzen Sie sich in ein viertes Web 2.0-Abenteuer. Haben Sie keine Angst, dass eines der Projekte auf der Strecke bleibt? Und - gibt es auch ein Leben neben der Arbeit?

Schmidt:
Sie vergessen DealAdNet. Die drei großen Projekte sind Dealjaeger.de, DealAdNet und verwandt.de. Dealjagd und Dealhatz sind aus Dealjaeger.de heraus geborene "Show Cases", aber nicht so Ressourcen intensiv.

Aufgrund unseres Kernteams von zwölf Mitarbeitern - darunter sechs richtig fitte Entwickler - sind wir optimistisch, alle Projekte gut umsetzen zu können. Bei verwandt.de wird es dazu eine Business Angel Runde geben. Da sind ausschließlich Top-Leute dabei, die uns auch operativ unterstützen.

Natürlich gibt es derzeit viel zu tun, also packen wir es an. Dabei kann temporär das Privatleben sicher leiden. Aber es ist eine spannende Zeit und die Aufgaben machen richtig Spass.

förderland: Sie und Daniel Grözinger sind ja mittlerweile ein eingespieltes Gründerteam. Woher kennen Sie sich eigentlich und wie teilen Sie sich die Arbeit untereinander auf?

Schmidt: 
Wir haben uns im September 1997 im Rahmen des Studiums kennen gelernt. Unser Zehnjähriges steht also kurz bevor ;-) Während wir beide im Herbst 1999 unsere Diplomarbeiten schrieben, fiel die Entscheidung, uns gemeinsam selbstständig zu machen. Anfang 2000 war getgo.de mit drei weiteren Mitgründern aus der Taufe gehoben.

Entgegen vieler Gründerteams ergänzen wir uns nicht funktional, sondern eher vom Typus. Wir haben beide Betriebswirtschaftslehre studiert, beide bei Unternehmensberatungen gearbeitet. Der Background ist nahezu identisch, aber Daniel ist eher ruhig und bedächtig, ich presche ab und zu nach vorne :-) Dementsprechend gibt es keine klare Rollenverteilung. Aufgaben werden flexibel verteilt. Unsere Schreibtische stehen sich gegenüber.

förderland: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sich einen 40-Stunden-Job in der Firma XY zu suchen? Was reizt Sie an der Selbstständigkeit?

Schmidt:
Nein, weder Daniel noch ich. Wir haben auch schon vorher wesentlich länger gearbeitet. Irgendwann weniger arbeiten ist sicherlich ein Ziel, der 40-Stunden-Job ist es nicht. Macht derzeit auch zu viel Spaß. Selbstständigkeit bedeutet nämlich auch unternehmerische Freiheit. Wir treiben uns lieber selbst, als von anderen getrieben zu werden ;-)

förderland: Wie ist Ihre neue Geschäftsidee entstanden und wie würden Sie Ihre Zielgruppe definieren?

Schmidt: 
Ehrlich währt am längsten: Während Dealjaeger.de weltweit einmalig ist, ist verwandt.de eher ein Klon. Sicherlich ist geni.com für uns ein Vorbild. Und wir sind fleißige TechCrunch Leser :-) Die Zielgruppe von verwandt.de ist aber jünger als die von Geni.com. Wir haben bewusst Comic-Avatare, Neon-Farben etc. gewählt. verwandt.de soll zuerst die Enkel erreichen. Und über die Enkel die Großeltern. Wir wollen verschiedene Generationen zusammenbringen und dabei auch on- und offline Welten verschmelzen.

förderland: Eine gute Idee allein macht noch kein erfolgreiches Unternehmen. Woher stammt das Startkapital für verwandt.de? In welchen Dimensionen bewegen wir uns denn?

Schmidt:
Durch die Verkäufe von getgo.de - Ende 2002 an die CTS Eventim AG -und dialo.de - Anfang 2007 an den Müller Verlag - sowie der GFEH - Anfang 2007 teilweise an die Syzygy AG - sind Daniel und ich in einer komfortablen Situation. Wir können das Portal selbst finanzieren. Jetzt kommen noch Top Business Angel dazu. Später ist auch Venture Capital denkbar.

förderland: Von der ersten Idee bis zum Launch Ihres Portals - welche Hürden mussten Sie überwinden?

Schmidt:
Wir verfügen durch Dealjaeger.de etc. über eine hervorragende Infrastruktur und Weltklasse-Entwickler. Dementsprechend waren im Fall von verwandt.de die Hürden überschaubar. Mal abgesehen von unserer Auftragsvergabe nach Rumänien, weil wir intern temporär keine Ressourcen hatten. Das hat mal leider gar nicht funktioniert. Unsere Entwickler haben die letzten Tage Tag und Nacht gearbeitet, damit wir bug-free launchen können.

förderland: Womit wollen Sie letztendlich Geld verdienen und wann rechnen Sie damit, dass verwandt.de profitabel arbeitet?

Schmidt:
Der Fokus liegt aktuell darin, Reichweite aufzubauen. Denn Reichweite ist die notwendige Voraussetzung für eine profitable Vermarktung. Und Werbung ist sicherlich eine Einnahmequelle. Eine Andere sind Mehrwertdienste (Value Added Services) wie Druck von Stammbäumen oder Familienbüchern. Es ist das Ziel, dass verwandt.de innerhalb von 24 Monaten vor Marketingausgaben profitabel arbeitet.

förderland: Vielen Dank für das Interview.

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