Kolumne von Oliver Bücken
Wie kommt man zum "Team"?
John Doerr, der legendäre Venture Capitalist wird mit dem Satz zitiert:
"In the world today, there‘s plenty of technology, plenty of entrepreneurs, plenty of money, plenty of venture capital. What‘s in short supply is great teams. Your biggest challenge will be building a great team".
Aber wie baut man sein Gründerteam auf? Wie wählt man aus?
Meiner Erfahrung nach beginnt der Prozess meistens mit EINER Person – dem Initiator!
Stellen Sie sich vor: Sie sind der Initiator. Sie reflektieren sich selbst und kennen Ihre Stärken und Schwächen. Dann suchen Sie sich Ihre Teammitglieder zum einen nach Fähigkeiten aus, die Sie nicht abdecken (also Ihre Schwächen). Zum anderen sollten diese Teammitglieder das Potenzial haben, Ihre Fähigkeiten zu verbessern und zu lernen.
Provokant gesprochen: Jemand, der immer alles besser weiß und sowieso schon alles kann, kann nicht der Richtige sein: Er ist nicht lernfähig! Das ist auch der Grund, warum man nicht versuchen sollte, die Teammitglieder nach erwünschten Fähigkeiten und Kompetenzen für zukünftige Aufgaben auszusuchen. Sie brauchen Leute, die JETZT anpacken! Leute, die zum Lernen bereit sind und "Feedback-fähig" sind.
Wenn Sie ein Team aufbauen, müssen Sie Ziele vorgeben und ein Klima von Dringlichkeit schaffen. Sie müssen Entscheidungen provozieren. Die meisten Teams entwickeln dann eine hohe Performanz, wenn sie zu Entscheidungen gezwungen werden – und genau das ist es, was Sie als Initiator provozieren wollen und müssen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Aufbau einer gemeinsamen Beziehung. Das tun Sie sowieso, eben auch unbewusst, selbst wenn Sie direkt inhaltlich über Ihr Projekt oder Ihr Gründungsvorhaben sprechen. Lernen Sie die potenziellen Mitglieder in verschiedenen Situationen kennen (Sport, Familie, Job, Freizeit etc.) und verbringen Sie geplante und ungeplante Zeit miteinander, um persönliche Beziehungen auszubauen. Das Vertrauen, was Sie hier gewinnen, wird für schwierige Zeiten (und die kommen immer!) hilfreich sein.
Es ist hilfreich, sich bei der Teambildung nicht nur auf sein Gefühl und seine Intuition sowie die Persönlichkeit der Mitglieder zu verlassen. Sondern Sie brauchen auch eine Basis, eine gemeinsame Metrik, an der Sie sich immer wieder messen und ausrichten können. Das können Beurteilungsverfahren sein – zum Beispiel von Belbin, wo man über seine eigene Beurteilung und über die gegenseitige Beurteilung zu Teamrollen kommt. Das können aber auch gemeinsame, ritualisierte Aktivitäten sein (Ski-Wochenende auf der Hütte, Konzert etc.).
Ob Teams letztlich erfolgreich sind oder nicht, liegt sicher nicht allein an der Auswahl. Die "Chemie" muss stimmen. Die persönlichen (finanziellen) Ziele müssen zueinander passen und die Personen müssen sich verpflichten. (Commitment klingt netter, meint aber das Gleiche.)
Haben Sie das Team, dann lassen Sie sich nicht von dem Gefühl hinweg tragen, dass alle Mitglieder an Bord sind und sich gleich einbringen. Das klappt nicht! Das Commitment wird ungleich sein – und genau deshalb sind Sie als Initiator und Führungskraft gefragt!
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"
© 2008 förderland
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Kommentare zu Wie kommt man zum "Team"?
Teufelskreis Investment & Team
Viele Interessante Aspekte für eine bereits bestehende Gründung. Aber woher bekomme ich ein Gründungsteam, wenn es noch kein Unternehmen gibt? Für mich gibt es da einen Teufelskreis: das Investment hängt vom Team ab, aber ein Team ohne Investment zu finden ist schwer. Denn wie überzeuge ich Leute davon, sich in ein Wagnis zu begeben, wenn der Arbeitsmarkt viele sichere Festanstellungen bietet? Wie überhaupt den Kontakt knüpfen? Klassische Anzeigen, XING, Gründernetzwerke?
Alles Fragen, die sich gerade
PauliPaloma
stellt
Teufelskreis
...das funktioniert so ähnlich wie beim Dating: viel netzwerkeln, beschnuppern, Schnittmengen überprüfen, wissen was man sucht (Stichworte in der Kolumne: Reflexion, Stärken, Schwächen). An fast jeder Uni gibt es Entrepreneurship-Lehrstühle mit offenen Veranstaltungen; ähnliche Orbits gibt`s bei BP-Wettbewerben. Praktika bei Start-up`s würde ich noch empfehlen - da arbeiten meist unternehmerische junge Leute, die selber gründen wollen.