Venture Capital ermöglicht Proof of Concept - Für Next Kraftwerke geht’s stromaufwärts
14.06.10 08:30
Venture Capital ermöglicht Proof of Concept

Für Next Kraftwerke geht’s stromaufwärts

Immer mehr Strom wird als Erneuerbare Energien über Solar- oder Windkraftanlagen bereitgestellt. Doch was, wenn die Sonne untergeht oder kein Wind mehr weht? – Und gleichzeitig sehr viel Strom benötigt wird, weil ganz Deutschland gerade der Nationalmannschaft beim WM-Finale im Fernsehen zusieht? Hier kommt die "Next Kraftwerke GmbH" ins Spiel: Das Kölner Start-up hilft mit einem innovativen Konzept Angebot und Nachfrage auf dem Strommarkt in Einklang zu bringen. Eine Idee, die auch den High-Tech Gründerfonds und Neuhaus Partners überzeugt.

Next Kraftwerke gründet auf dem Umstand, dass elektrische Stromnetze keine Energie speichern können. Deshalb muss immer genau soviel Energie eingespeist werden, wie verbraucht wird. Dieser ständige Ausgleich funktioniert zunächst über sogenannte Primär- und Sekundärreserve, die seitens der Kraftwerkbetreiber innerhalb weniger Sekunden bereitgestellt werden kann, aber nur etwa 15 Minuten ausreicht. Dann müssen die Netzbetreiber auf die Minutenreserve zurückgreifen, die über eine Internetplattform kurzfristig gehandelt wird.

"Der Minutenreservemarkt ist die letzte Instanz am Strommarkt", erklärt Jochen Schwill, Geschäftsführer von Next Kraftwerke, "und dieser Markt boomt. Denn mit dem wachsenden Anteil an Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung, wird der Bedarf nach Regelenergie immer größer. Wir bieten Betreibern von Kleinerzeugungsanlagen – wie Notstromaggregaten Blockheizkraftwerken und Biogasanlagen – die Chance, an diesem Markt teilzuhaben. Dazu schalten wir viele Anlagen zu einem virtuellen Kraftwerk zusammen und können so die nötige Mindestmenge Strom anbieten, die auf dem Minutenreservemarkt gefordert wird. Potentielle Kunden sind beispielsweise Krankenhäuser, Einkaufszentren, Klärwerke ,Stadionbetreiber oder Landwirte."

"Mit diesem Investment ist das nötige Kapital da, um einen Proof of Concept liefern zu können"

Ausgetüftelt haben Schwill und sein Mitgeschäftsführer Hendrik Sämisch ihr Geschäftskonzept 2008 am Energiewirtschaftlichen Institut der Universität zu Köln, wo sie als wissenschaftliche Mitarbeiter detaillierte Einblicke in den Strommarkt erhielten. Auf Empfehlung ihres Professors nahmen die beiden Gründer dann am Kölner NUK-Businessplan-Wettbewerb teil, bei dem sie zu ihrer Idee einen Businessplan ausarbeiteten. Der bot die Basis für ein EXIST-Gründerstipendium, das ihnen seit September 2009 ermöglicht, sich voll und ganz auf die Entwicklung ihres Start-ups zu konzentrieren und nicht mehr am Institut arbeiten zu müssen. Im Rahmen des NUK-Wettbewerbs knüpften sie zudem erste Kontakte zum High-Tech Gründerfonds – was einen lukrativen Nebeneffekt darstellen sollte.

Denn nach ersten Gesprächen zeigten sich nicht nur die Bonner VC-Gesellschaft begeistert von der Geschäftsidee der Kölner Gründer: Im Mai 2010 konnte Next Kraftwerke eine erste Finanzierungsrunde mit dem High-Tech Gründefronds, Neuhaus Partners und Business Angels abschließen. "Mit diesem Investment ist das nötige Kapital da, um einen Proof of Concept liefern zu können. Darüber hinaus profitieren wir natürlich von der unternehmerische Erfahrung und der Branchenkenntnis unserer Geldgeber", freut sich Schwill. Und auch auf Investorenseite ist man optimistisch: "Durch die Finanzierungsrunde wird Next in die Lage versetzt, einen nennenswerten Marktanteil im Markt der Minutenreserve zu erreichen", sagt Dr. Gottfried Neuhaus.

"Die Schlacht wird im Vertrieb gewonnen"

Und auf den ersten Blick scheint es auch kein Problem zu sein, genügend Kunden von dem Konzept der virtuellen Kraftwerke zu überzeugen. Denn die Next Kraftwerke GmbH übernimmt die gesamte Wertschöpfungskette: Von der technischen Anbindung über die tägliche Vermarktung auf dem Strommarkt bis hin zur Abrechnung mit dem Netzbetreiber. Außerdem garantiert das Unternehmen, das keine Sicherheitsrisiken für Kunden bestehen. Sollte beispielsweise in einem Krankenhaus ein Notstromaggregat benötigt werden, steht es Next für die Strommarktreserve nicht mehr zur Verfügung. Kunden stellen Next Kraftwerke also ungenutzte Ressourcen zur Verfügung – und erhalten im Gegenzug einen Anteil der Gewinne am verkauften Strom; Next profitiert von Provisionen. "Wir sind zuversichtlich, dass Next Kraftwerke den Anlagenbetreibern einen deutlichen Mehrwert bietet und so zusätzliches Erlöspotential erschließt", führt Klaus Lehmann, Senior-Investmentmanager des High-Tech Gründerfonds aus.

Doch ganz so einfach sei die Sache nicht, meint Geschäftsführer Schwill. "Obwohl unsere Kunden nur sehr geringen Aufwand haben und finanziell profitieren, scheint es bei vielen eine Art psychologische Schwelle zu geben. Sie erkennen die Vorteile, schrecken aber vor der Vertragsunterzeichnung zurück. Die meisten haben einfach keine Lust, sich mit dem Thema Strom zu befassen. Es ist einfach zu weit weg von ihrem Kerngeschäft", erklärt er. "Die Schlacht wird im Vertrieb entschieden", bringt er die momentane Situation bei Next Kraftwerke auf den Punkt. Und damit das junge Start-up aus Köln die Schlacht gewinnt und es weiter steil stromaufwärts geht, ist man momentan auf der Suche nach einem erfahrenen Vertriebsmitarbeiter, den man ins Feld führen kann.

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