Interview mit Anh Tu Sam, zweiDabei - "Noch sind wir eigenfinanziert und es gab sicherlich günstigere Zeiten, um Risikokapital einzusammeln"
23.04.09 11:00

Interview mit Anh Tu Sam, zweiDabei

"Noch sind wir eigenfinanziert und es gab sicherlich günstigere Zeiten, um Risikokapital einzusammeln"

zweiDabei ist ein kleines Bonner Start-up mit großen Ambitionen. Als Speed-Dating-Plattform angelegt, bieten die Gründer ein Forum zum Kennenlernen via Webcam. Im förderland-Interview berichtet Mitgründer Anh Tu Sam, wie man sich auch als kleines Start-up in der Marketing-Welt zurechtfinden kann und was die nächsten Schritte Richtung Zukunft sind.

förderland: Herr Sam, beim Kölner Start-Up Camp hat Ihr Projekt "zweiDabei" recht gut abgeschnitten. Erklären Sie uns doch ganz kurz, was "zweiDabei" ist und wie es funktioniert.

Anh Tu Sam
: Hallo! Ja, über den zweiten Platz sind wir richtig glücklich. "zweiDabei" ist eine Internet-Seite, auf der Sie nette Menschen kennenlernen. Das Verrückte und Neue daran ist, dass Sie sich keine Nachrichten schreiben, sondern live per Webcam verabreden. Sie kennen doch bestimmt den Spruch "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, ein Video sagt mehr als tausend Bilder" oder?

Ähnlich wie bei dem aus den USA bekannten Speed-Dating unterhalten Sie sich genau 3 Minuten lang mit einer Person und stimmen dann hinterher ab, ob Sie sich für diese Person interessieren oder nicht. Langweiliges Nachrichten hin und her schreiben ist für den Erstkontakt erstmal überflüssig.

In der Praxis funktioniert das total einfach. Sie registrieren sich, schließen Ihre Webcam an und klicken auf GO. Unser intelligentes System sucht Ihnen in wenigen Sekunden einen passenden Gesprächspartner aus. Dabei bekommen Sie eine Person, die ihrem gewünschten Alter entspricht und bevorzugt aus Ihrer Nähe kommt. Am besten probieren Sie es einfach mal aus. Es macht einen Riesenspass! Ich bin nicht umsonst mein bester Kunde.

Diese Woche haben wir bei förderland die "Marketingwoche" ausgerufen. Da wollen wir doch direkt einmal von Ihnen wissen: Welche Marketing-Aktivitäten laufen bei "zweiDabei" im Augenblick?

Sam
: Derzeit konzentrieren wir uns zu achtzig Prozent auf das Online-Marketing. Dies umfasst vorwiegend die Themen SEO bzw. SEA und das Community-Marketing auf facebook oder wer-kennt-wen. Nachdem wir vor einigen Tagen nun auch bei Belboon - einem der grössten Affiliate Programme Deutschlands - aufgenommen wurden, starten wir voller Optimismus auch noch in der dritten Disziplin.

Trotz aller Vorteile der performance-basierten Abrechnung wollen wir auf keinen Fall den Offline-Bereich vernachlässigen. Denn gerade beim Speed-Dating ist der regionale Aspekt ein sehr entscheidender. Was bringt es Ihnen denn, wenn Sie als Kölner eine Münchnerin kennen lernen?

Daher verstalten wir von Zeit zu Zeit auch regional bezogene Events wir Partys, auf denen wir Computer aufbauen und den Leuten die Möglichkeit geben, das Ganze mal in einer spassigen und unverbindlichen Atmosphäre auszuprobieren.

Ich möchte abschließend noch hinzufügen, dass über alle unsere Marketingaktivitäten hinweg stets die Strategie "Ladys first" gilt. Frauen sollen sich auf zweiDabei wohl fühlen, daher haben in unserem Team oftmals die Frauen das Sagen, wenn es produkt- oder marketingrelevante Entscheidungen geht.

Wie effizient waren die Maßnahmen jeweils? Gab es auch Bemühungen, die sich gar nicht ausgezahlt haben?

Sam:
Die Maßnahmen funktionieren grösstenteils sehr gut. Natürlich gab es auch Aktivitäten, wie beispielsweise Flyer verteilen, deren Auswirkungen recht bescheiden waren. Doch das schreckt uns ja nicht ab, denn Fehler machen bekanntlich alle mal. Hauptsache ist, dass man schnell seine Lehren daraus zieht und weiter nach vorne blickt.

Und wann haben Sie angefangen, sich über Marketing Gedanken zu machen? Wann haben Sie das erste Mal Geld dafür ausgegeben?

Sam: Wir haben recht früh gewusst, dass selbst ein tolles Produkt wie zweiDabei sich nicht von allein vermarktet. Daher haben wir bereits vor dem Start im Januar unsere Marketingaktivitäten mit der technischen Entwicklung abgestimmt und dafür gesorgt, dass das gesamte Team an einem Strang zieht. Geld haben wir vom ersten Tag an ausgegeben, allerdings in einem sehr überschaubaren Umfang.

Verraten Sie uns doch, welche Aktivitäten Sie für die Zukunft geplant haben. Und wie finanzieren Sie diese?

Sam:
In Zukunft würden wir gerne noch mehr Geld für SEM, also Suchmaschinenoptimierung und -anzeigen, ausgeben. Allerdings hängt dies davon ab, wie schnell wir Investoren von unserem innovativen Konzept überzeugen können. Noch sind wir eigenfinanziert und es gab sicherlich günstigere Zeiten, um Risikokapital einzusammeln. Doch das kann sich schnell wieder ändern - spätestens dann, wenn die Leute merken, wie viel Spass das Speed-Dating eigentlich macht.

Sprechen wir doch ein wenig über Ihre Speed-Dating-Seite: Welche Benutzerzahlen haben Sie im Moment und welche Zahl wollen Sie bis Ende des Jahres erreichen?

Sam: Momentan haben wir mit knapp 1.200 Nutzern um die 700 Dates durchgeführt. Das ist angesichts unseres Minimalbudgets sicherlich vertretbar, doch kein Grund sich auszuruhen. Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres mindestens 50.000 Menschen von diesem fantastischen und unterhaltsamen Konzept zu überzeugen. Drücken Sie uns die Daumen.

Zum Schluss: Haben Sie schon eine Idee, wie Sie Geld mit "zweiDabei" verdienen können?

Sam: Natürlich - da wir die Infrastruktur nicht ewig aus eigener Tasche finanzieren können, planen wir, Premium Accounts einzuführen. Nicht-zahlende Nutzer könnten dann natürlich weiterhin teilnehmen, allerdings nur 3 Dates pro Abend haben. Zahlende premium Nutzer hingegen unbegrenzt. Wir denken, das ist ein faires Modell und können jetzt schon versprechen: der Preis wird sich in einem erschwinglichen Rahmen halten.

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg.

Sam: Besten Dank. Das wünschen wir Ihnen auch!

© 2009 förderland
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