Gründungszuschuss, Gründerstipendium, Nebenjob, oder …?
Vom Laptop über die notwendigsten Versicherungen bis hin zu Kaffeemaschine – alles Dinge, die bei einer Full-Time-Unternehmensgründung ohne Fremdkapital irgendwie bezahlt werden müssen. In der neuesten Folge ihres Gründertagebuches kalkulieren Jörg Pescheck und Michael Krause, die beiden Gründer von onchestra.com, ihre Anfangsinvestitionen und diskutieren mögliche Finanzierungsmöglichkeiten. Diskutieren Sie mit!
Nein – hier geht es nicht um Wagniskapital, vermögende Privatleute oder aufreibende Kreditverhandlungen. Denn einer unserer großen Vorteile ist doch, prinzipiell nur ein Dach über dem Kopf und einen Rechner zu brauchen - und eventuell auch noch einen Server, der die Onlinepräsenz beherbergt. Aber das war's schon (wer jetzt schon nach dem riesengroßen Marketingbudget, den Aufwendungen für die Gründungsmodalitäten und den Kosten für den Rechtsbeistand schreit, sollte sich zunächst bitte noch etwas gedulden). Was haben wir in unserem Fall als 2-Personen-Team also bisher konkret für - reale, keine kalkulatorischen - "Anfangsinvestitionen":
Laptop: hat jeder
Zwei Schreibtische: 60 Euro (Eigenkreation aus dem Baumarkt)
Whiteboard: 20 Euro
Drucker: fährt noch irgendwo einer im Keller herum
Scanner: 10 Euro (gebraucht)
Mikrowelle: 30 Euro
Maklerprovision fürs Büro: Es gibt immer Räumlichkeiten, die keines Maklers bedürfen.
Kaution: nicht nötig, da Privaträume als Büro umfunktioniert werden (nein, das muss nicht beim Bauamt angemeldet werden, da weder Publikumsverkehr herrscht noch ein Chemielabor installiert wurde und mit der postalischen Adresse auch nicht aktiv geworben wird)
1.0-Kaffeemaschine (wer braucht einen Kaffeeautomat?): abgestaubt und gespült – wie neu!
Summa Summarum sind wir also bei exakt 120 Euro. Soweit so schön. 120 Euro sollte man auch als mittelloser Student oder 400 Euro-Jobber aufbringen können (wiederum Nein: Das soll nicht abwertend klingen. Alles schon selber gewesen und daher generell keine Vorurteile in diese Richtung).
Soweit, so gut, aber:
Was ist denn mit dem privaten Leben? Essen, trinken, wohnen, vorsorgen, versichern, mobilen – alles Dinge, die es nicht umsonst gibt. Ja, ich weiß, das sind laufende Kosten die streng genommen nicht unter "Investitionen" fallen. Na und? Zahlen muss man sie dennoch.
In diesem unseren Fall sowohl in dem Monat, in dem die zuerst genannten Investitionen anfallen und vermutlich in allen noch auf uns zukommenden Monaten. Also fahren wir mit unserer lustigen Liste der finanziellen Fußfesseln fort (jeweils auf den Monat heruntergebrochen):
Kfz-Versicherung: 50 Euro
Kfz-Steuer: 30 Euro
Rentenversicherung: 90 Euro
Krankenversicherung: 200 Euro
Haftpflichtversicherung: 10 Euro
Hausratsversicherung: 10 Euro
Miete (inkl. Internet, Telefon, TV): 450 Euro
Handy: 30 Euro
Essen/Trinken: 200 Euro
Sprit (1500km Fahrleistung ): 150 Euro
Klar, alles nur Richtwerte, aber nimmt man die Einzelbeträge zusammen ist man bei guten 1.200, sagen wir 1.300 Euro. Worum geht es nun also? Richtig – die 1.300 Euro müssen gedeckt werden bevor man sich überhaupt mit irgendwas anderem beschäftigen kann. Hierfür kommen für uns drei verschiedene Ansätze in Frage: Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit, Exist Gründerstipendium oder Nebenjob.
Wie Ihr schon gemerkt habt, polarisiere ich ganz gerne. Daher mal drei Aussagen zu o. g. Möglichkeiten:
"Gründungszuschuss ist nur ein besseres Arbeitslosengeld und eher was für Leute, die Eisdielen eröffnen wollen, aber eigentlich keine Ahnung haben! Wieso wären sie sonst auch arbeitslos? Also auf keinen Fall etwas für uns High-Tech-Gründer!"
"Exist-Gründerstipendium ist doch nur für Studenten, die grad von der Hochschule kommen, keinen Arbeitsplatz finden und sich deshalb jetzt vom Staat durchfüttern lassen wollen!"
"Entweder ich konzentriere mich zu 100% auf meine Gründung oder nicht. Wer einen Nebenjob annimmt glaubt nicht an seine eigene Idee und wird daher niemals erfolgreich damit sein können!"
Oder wie seht Ihr das?
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Kommentare zu Gründungszuschuss, Gründerstipendium, Ne ...
naja
Interessanter Schreibstil ;-). In der Startphase darf ein Gründer meiner Meinung nach auch einen Nebenjob haben um sich finanziell abzusichern und dann nachher ins richtige Business zu wechseln, wenn es läuft.
Der mit dem interessanten Schreibstil schreibt ;-)
@Stefan. Glaubst Du, dass man in diesem unseren "Online-Business" in Teilzeit wirklich zu Rande kommt? Uns erwarten so allmorgendlich schon zahlreiche Mails und zu beantwortende Kommentare. Wenn ich mir nun überlege, wir hätten nur die Hälfte der Zeit, wie wir sie aktuell haben - puh, würde eng werden....
erfrischend
Hallo,
erfrischender Schreibstil. Eine gute Antwort auf den weit verbreiteten Habitus erst einmal den Firmenwagen auszusuchen und um dann zu schauen, was man eigentlich verkaufen will.
Beste Grüße
C.Ahr
Wer gründet, hat Recht
Alle drei sind legitime Möglichkeiten. Wer noch an der Idee feilt oder sie am Markt erstmal testet (zu empfehlen!), kann noch 2-3 Tage die Woche irgendwo als Lohnsklave arbeiten. Wen die Investmentbank auf die Straße gesetzt hat, sollte aus der Arbeitslosenstatistik schleunigst verschwinden und mit dem Gründungszuschuss seine eigenen Ideen verwirklichen (Mach et einfach). Studenten wären ja dumm, wenn sie den Kampf mit den Exist-Formularen verloren gäben. Sonst findet sich sicher noch eine vierte und fünfte Möglichkeit. Gründer sind Helden, sie finden immer einen Weg (wie erfrischend!).
Testen
Jan, wie würdest Du empfehlen, ein Produkt in Teilzeit zu entwickeln und gleichzeitig noch am Markt zu testen? Was wenn ein Kunde Hilfe braucht, während ich gerade bei Aldi Regale einräume? Was wenn das System abstürzt, während ich morgens im Bus in Richtung Kellneranstellung bin?
Oder was, wenn ich so viel Zeit für die Entwicklung "nebenher" benötige, um nach 6 Monaten zu sehen, dass parallel jemand innerhalb der ersten 3 Monate entwickelt und während dieser 3 und den folgenden 3 Monaten bereits eine Vielzahl an Kunden akquiriert hat?
Viele Grüße
Kommt auf die Idee an
Was geht: nebenbei an einer Idee arbeiten, die noch nicht marktreif ist; nebenbei eine Idee am Markt testen (Wie ist der Bedarf, das Interesse etc.; kommt natürlich auf das konkrete Konzept an, ob das machbar ist).
Was nicht geht: wenn du schon Kunden hast (gratuliere!) und der Betrieb laufen muss, in der Aldi-Uniform unterwegs sein; im Nebenjob das deutsche Twitter starten. Klar, wenn es hier um ein Wettrennen geht, gib Gas. Manchmal ist Eile geboten (z.B. StudiVZ), aber der Schnellste wird noch lange nicht Marktführer. Ich mag den langsamen, durchdachten Faltin-Ferriss-Style!
Twitter und Co
Hallo Jan,
das deutsche Twitter (das sicherlich kein Microblogging-Dienst sein wird ;) ) wird, meiner Meinung nach, wenn überhaupt nur jemand nebenher gründen können, der eigentlich etwas völlig anderes beabsichtigte. Aber das lassen wir am besten auf uns zukommen.
Wir für uns haben den Vollzeit-Weg gewählt, den wir dennoch versuchen durchdacht und teilweise bewusst langsam zu gehen.
Ob das der richtige Ansatz ist, wird sich zeigen. Das Schöne ist aber, dass niemand mit 100%iger Sicherheit sagen kann, dass es der falsche ist ;-)
Timothy Ferris
Ach ja, bevor jemand nach "Ferriss" sucht ;-)
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