Ein Date mit der NEXT
Am 18. und 19. Mai lud die Hamburger Internetagentur SinnerSchrader zur NEXT Conference 2011 in die Station Berlin. 1651 Teilnehmer aus 16 Ländern hatten sich registriert (300 mehr als im letzten Jahr), 155 Referenten waren anwesend (jeder 10. Teilnehmer war also gleichzeitig auch Sprecher), mehr als 3.000 Nutzer zwitscherten mehr als 11.000 Tweets und während über 1.400 Wifi-Geräte 104 GB transferiert wurden, spielten 140 Tischfußballfans 185 Kicker-Partien und brauchten dafür 14 Stunden und 40 Minuten. Ja richtig, auf der NEXT 2011 drehte sich alles um Daten – und wie spannend das sein kann, lesen Sie hier.

DATA LOVE. Das Motto der diesjährigen NEXT Conference sprang jedem Besucher aus allen Ecken und Enden der Station Berlin (tolle Location, typisch Berlin) ins Auge – von Postern, Plakaten, den T-Shirts der SinnerSchrader-Mitarbeiter und auch von dem riesigen Video-Screen des International Room. Dort eröffnete Matthias Schrader (SinnerSchrader CEO, Gastgeber) die NEXT 2011 mit einem entschlossenen Plädoyer für Daten und erklärte, warum wir sie lieben sollten. Er blickte zurück in die eigene Entrepreneur-Vergangenheit (Schülerzeitung, werbefinanziert), als sein Start-up Team 1986 nach der Tschernobyl-Katastrophe begann, Strahlenmessungen durchzuführen. Sie nutzten einen C64 und ein Mailbox-Network, um ihre Daten mit anderen europäischen "Messstationen" zu teilen und im Gegenzug Messdaten zu erhalten (Share Economy!). So konnte das Team lokale Voraussagen über die Ausbreitung der Strahlung veröffentlichen.
Daten können die Basis für Geschäftsmodelle sein, die einen echten Kundennutzen bieten – wenn man sie denn kreativ nutzt. Das gelte heute, wo im Internet Massen an Daten herumschwirren, umso mehr, so sein Credo. Mit seinem Vortrag gab er den Startschuss für eine Fülle an weiteren Beispielen, Best Cases und Gedankenexperimenten rund um Daten, deren Analyse und kreative Nutzung. Nachsehens- und Nachhörenswert im archivierten Video-Stream auf der NEXT-Webpage. Tipp: Wie man Daten aus sozialen Netzwerken kreativ aggregiert und daraus einen Service entwickelt, der perfekt zur Marke passt, zeigt beispielsweise die Lynx Stream App.
What's next? Ein Streifzug durch die Tracks
Auf dem zweitägigen Ping-Pong zwischen den Tracks International, Commerce, Media, Social, Mobile, Branding und Technology war es spannend zu beobachten, wie Redner und Teilnehmer aus unterschiedlichen Ländern und unterschiedlichen kulturellen und geschäftlichen Kontexten das Motto DATA LOVE interpretieren: Da referierte Jochen Adler von der Deutschen Bank zur besten Sendezeit in gestochenem Business-English über die interne Micro-Blogging-Plattform des Global Players während die kenianische Mobile-Spezialistin Jessica Colaco am Ende des Tages voller Enthusiasmus und Leidenschaft über SMS-Dienste in Afrika referierte.
Wenig Enthusiasmus und Leidenschaft legten dagegen einige hochdekorierte Werber des ADC an den Tag. Sie witzelten sich (die Ellbogen auf den Knien) durch eine technisch gehandicapte Präsentation des ADC Wettbewerbs sowie des ADC Nachwuchswettbewerbs 2011 und gaben zu verstehen, dass sie das Niveau der digitalen Kampagnen in Deutschland als noch niedriger als ihre Sitzposition werten. Wie es anders geht, zeigte der New Yorker Videographer Keith Haskel, der mit US-amerikanischer Leichtigkeit die Guerilla-Ideen von Improv Everywhere präsentierte. Sehenswert! Ebenso wie Glyn Britton, der im Anschluss mit britischem Unterstatement über den Aufbau der Marke giffgaff referierte.
Who's next? Start-ups präsentieren beim Elevator Pitch
Auf der etwas stiefmütterlichen NEXT Stage (im Durchgangszimmer!) gab es dann auch noch Platz für den Nachwuchs: Für den NEXT Elevator Pitch konnten sich Start-ups mit ihren Konzepten rundum Internet und E-Comerce bewerben. Nach einem User-Voting auf der Website und einer Jury-Vorauswahl blieben schließlich zwölf Start-ups übrig, die auf der NEXT 2011 ihre Konzepte präsentieren durften. EgoArchive, Halalati, joinbox, Newshype, niriu, replydone, Scitotec, Shopgate, Spoovel, storytude, Trust You und wahwah.fm taten das auf durchweg hohem Niveau und hatten auch fast alle auf die Nachfragen der Jury (Mike Butcher, Olaf Jacobi, Sarik Weber etc.) eine Antwort parat.
Letztlich entschied das Applausometer zugunsten von wahwah.fm. Das Berliner Start-up um Gründer Philipp Eibach macht Musik für beliebig viele Liebhaber gemeinsam erlebbar, indem sie verschiedenste Radiostreams erstellen und teilen können. Freuen darf sich das Team über einen Coachingtag bei Hanse Ventures und ein Freisemester am renommierten Founder Institute Berlin.
Und wohin klick ich jetzt als nextes? Wir empfehlen den Video-Beitrag der Kollegen von Gründerszene, der Lust auf ein weiteres Date mit der NEXT 2012 macht!
(Bildquelle: NEXT Flickr-Stream)
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