Businessplan-Wettbewerbe - Chance für innovative Geschäftsideen
"Real Ideas, Real Companies", heißt es auf der Internet-Seite des ersten Businessplan-Wettbewerbs der Welt. Über 85 Unternehmen sind hier in die Startlöcher gegangen, und ihr Börsenwert liegt inzwischen bei über 10 Milliarden Dollar. 2.500 Jobs wurden geschaffen und 600 Millionen Dollar Risikokapital eingeworben. Der Name des Wettbewerbs: "MIT 100K Entrepreneurship Competition". "MIT" steht für das berühmte „Massachusetts Institute of Technology", "100K" für die gesamte Preissumme - 100.000 Dollar.
Worum geht's?
"Ideen in Unternehmen verwandeln" - das sollen Studenten des MIT lernen. In interdisziplinären Teams treten sie an, um eine Expertenjury mit einem Businessplan zu überzeugen. Dabei müssen sie sich denselben Fragen stellen, die private Investoren in der Wirtschaft aufwerfen: Wie schnell kann das Produkt auf den Markt kommen? Kann es sich gegen Wettbewerber durchsetzen? Welches Wachstumspotential steckt in der Geschäftsidee? Kann sich eine Marktführerschaft ergeben? Ist das Team gut aufgestellt? Warum sollte das Unternehmen in fünf Jahren noch am Markt sein? Wer die besten Antworten präsentiert, kann als Sieger mit 30.000 Dollar nach Hause gehen.
Seit 1990 gibt es den Businessplan-Wettbewerb am MIT, 1995 kam die Idee nach Deutschland: Der Berliner Businessplan-Wettbewerb wurde auf die Beine gestellt; der Münchener Businessplan Wettbewerb (MBPW) ging in demselben Jahr an den Start. Seine Sieger erwarten Preisgelder in einer Gesamthöhe von 75.000 Euro. Inzwischen gibt es über 80 dieser Wettbewerbe in Deutschland, bundesweit oder mit regionalen Schwerpunkten. Zum Teil werden sie für spezielle Branchen veranstaltet wie Multimedia oder Life Science. Einige Wettbewerbe sind aber offen für Geschäftsideen aus allen Bereichen der Wirtschaft.
Was verbirgt sich also hinter dem Begriff Businessplan-Wettbewerb? Die Teilnehmer entwickeln Geschäftsideen zu einem tragfähigen Konzept, mit dem sie gegen andere Teams in einen Wettstreit treten. Eine unabhängige Jury bewertet diese Konzepte und vergibt Preise. Ein prämiertes Geschäftskonzept zahlt sich doppelt aus: Reizvoll sind die attraktiven Preisgelder, und private Investoren sind schneller bereit, Geld in das neue Unternehmen zu stecken. Auf diese Weise fördern Businessplan-Wettbewerbe den Unternehmergeist in Deutschland.
Wie sieht die Praxis aus?
Der Businessplan-Wettbewerb am MIT war das Vorbild für die deutschen Wettbewerbe, in der Praxis hat sich ein dreistufiges Verfahren herausgebildet, wie es zum Beispiel der Münchener Businessplan-Wettbewerb (MBPW) anwendet:
1. Stufe ("Ideas Stage"): Die Zielgruppe sind Unternehmensgründer, Entrepreneure aus Forschung und Hochschule sowie kleine innovative Firmen in Südbayern. Auf dieser Stufe steht im Vordergrund die Entwicklung einer Geschäftsidee, die zu beschreiben ist. Dazu gehört es auch, den Kundennutzen klar zu benennen.
2. Stufe ("Development Stage"): Wie zuvor können sich hier kleine innovative Unternehmen aus Südbayern und Unternehmensgründer beteiligen, und natürlich alle Teilnehmer aus der ersten Stufe. Die Aufgabe besteht darin, einen "Grob-Businessplan" auszuarbeiten und ihn mit einem Konzept zur Ausschöpfung des Marktpotentials zu kombinieren. Außerdem ist ein erster Überblick über den Finanzbedarf zu erstellen.
3. Stufe ("Excellence Stage"): Auf dieser Stufe sind besonders innovative Geschäftsmodelle gefragt, für die auch ein vollständiger Businessplan vorliegen muss. Teilnehmer der zweiten Stufe, Unternehmensgründer und kleine Unternehmen aus Südbayern können sich an diesem letzten Auswahlverfahren beteiligen. Zum vollständigen Businessplan zählen auch eine Umsetzung des Geschäftskonzeptes und eine genaue Darstellung, welcher Finanzbedarf zu erwarten ist.
Der MBPW hat sich auf die Fahnen geschrieben, ein "lebendiges Lernprogramm statt Ideenfilterung" zu betreiben, was in einem besonderen Angebot von Kontakten, Veranstaltungen und Materialien zum Ausdruck kommt. Die Teilnehmer werden nicht allein gelassen, wenn sie ihre Geschäftsideen entwickeln: Beim "Jour Fixe" trifft man sich zwanglos mit Experten, zum Beispiel Investoren, Rechtsanwälten oder Wirtschaftsprüfern. Andere Teilnehmer lassen sich kennenlernen, Erfahrungsaustausch findet statt.
In Crash-Kursen wird auf das Schreiben des Businessplans vorbereitet, Themen wie Geschäftsidee oder Finanzplan werden angeschnitten. Weiterhin gibt es Ringvorlesungen und Workshops: Experten aus der Praxis sprechen u. a. über Fördermittel für Existenzgründer, Kundenmanagement oder Vertragsgestaltung. Das Angebot rundet ein individuelles Coaching ab, der MBPW vermittelt Kontakte zu erfahrenen Unternehmern und Beratern. Auf allen Stufen des Wettbewerbes gibt es Feedback, jedes eingereichte Konzept kommentieren mindestens zwei Gutachter. Begleitmaterial und aktuelle Informationen findet man auf der Homepage des Wettbewerbs, zum Beispiel als Download das MBPW-Handbuch "Der optimale Businessplan".
Das Fazit?
Businessplan-Wettbewerbe sind eine große Chance für Unternehmensgründer: Von der Idee bis zur Marktreife ist es ein langer Weg; ein Wettbewerb kann helfen, viele Steine auf die Seite zu räumen. Er verschafft Zugang zu Know-how und Kontakten - Begegnungen mit künftigen Kunden, Investoren oder Partnern können zur Initialzündung für die eigene Geschäftsidee werden. Wie hoch diese Chance einzuschätzen ist, zeigen Zahlen aus den ersten zehn Jahren des MBPW: Mit seiner Unterstützung haben sich über 480 Unternehmen gegründet und ihre Finanzierung gesichert. Diese Unternehmen haben über 3.250 Arbeitsplätze geschaffen, in ihre Aktivitäten wurden rund 330 Millionen Euro investiert - davon kamen allein 240 Millionen Euro von Risikokapitalgebern.
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Ein Beitrag von Ingo Leipner
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