LinkedIn vs. Xing
Wettlauf der Business-Communitys
Nach etlichen Ankündigungen war es Anfang Februar endlich soweit: Das US-amerikanische Business-Netzwerk LinkedIn startete eine deutsche Sprachversion und wagte somit den direkten Angriff auf den heimischen Platzhirschen Xing. förderland befragte Kevin Eyres, European Managing Director LinkedIn, und Thorsten Vespermann, Director Corporate Communications Xing, zur aktuellen Konkurrenzsituation.
Der Status Quo: Xing blickt auf das bis dato erfolgreichste Geschäftsjahr der Firmengeschichte zurück: Mehr als 7 Millionen Nutzer, etwa 550.000 zahlende Mitglieder und 35,3 Millionen Euro Umsatz (EBITDA: 12,82 Millionen Euro) verzeichnete das deutsche Business-Netzwerk im Jahr 2008. 28 Millionen Euro und damit 80 Prozent des Gesamtumsatzes erzielte Xing dabei im Kerngeschäft mit Premium-Mitgliedschaften. Darüber hinaus hat die seit 2006 börsennotierte XING AG mit den zusätzlichen Geschäftsfeldern E-Commerce (Jobs und 'Best Offers') sowie Advertising in 2008 zwei nachhaltig wachsende und gewinnbringende Erlösquellen etabliert. Die Zeichen stehen auf Wachstum.
US-Konkurrent LinkedIn hat mit weltweit mehr als 36 Millionen Mitgliedern (allein über 9 Millionen in Europa), einem rasanten Zuwachs von etwa einer Million neuer Mitglieder in nur 17 Tagen (via Basic Thinking) und 75,7 Millionen Dollar aus zwei Finanzierungsrunden nicht weniger beeindruckende Zahlen auf der Haben-Seite. Basierend auf diesen Zahlen schreiben sich beide Unternehmen auf die Fahne, gegenwärtig das größte Netzwerk für Business-Kontakte in Europa zu sein.
Big in Europe: Business-Netzwerke stecken Claims ab
Zumindest in Deutschland kann Xing mit gutem Recht von sich behaupten, die derzeitige Nummer Eins zu sein und Thorsten Vespermann (Director Corporate Communications Xing) ist optimistisch, diese Position verteidigen zu können: "Mit aktuell bereits rund drei Millionen Mitgliedern sehen wir uns als klaren Marktführer beim Business Networking im deutschsprachigen Raum und diese Position wollen wir nicht nur verteidigen, sondern Schritt für Schritt weiter ausbauen", so Vespermann.
"Unsere Mitglieder bestätigen uns, dass Xing in vielen europäischen Wirtschaftsmetropolen und in Branchen wie IT oder Bank- und Finanzwesen längst als ein 'must-have' gilt. In Städten wie Frankfurt oder Zürich sind bereits 20 Prozent der dort lebenden Berufstätigen Mitglied bei XING, im Finanzsektor ist dort sogar jeder Vierte auf Xing vertreten. In zahlreichen Städten und Branchen kommen die Berufstätigen zu uns, weil sie uns als klaren Marktführer sehen und weil sie da netzwerken wollen, wo ihre Kontakte bereits sind“, fügt Vespermann hinzu.
Kevin Eyres (European Managing Director LinkedIn) ist auf der anderen Seite zuversichtlich, dass sich LinkedIn in Deutschland mittelfristig zu einer echten Alternative entwickeln wird. Als Gründe führt er nicht nur die schiere Größe des internationalen Netzwerks an, sondern darüber hinaus die kostenlose Nutzung wichtiger Grundfunktionen: "Bereits vor dem Start unserer deutschen Version haben deutsche Unternehmen wie Siemens, BASF oder BMW LinkedIn sehr aktiv genutzt. Innerhalb Europas sind wir in 43 Ländern die Nummer eins – dazu zählen beispielsweise Spanien, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Norwegen und Finnland. Hinzu kommt, dass unsere Mitglieder die meisten unserer Funktionen – dazu gehören zum Beispiel Nachrichten an die eigenen Kontakte oder nützliche Applikationen zum Wissensaustausch – gratis nutzen können, während Sie bei Xing für die wichtigsten Features bezahlen müssen."
Reichweite vs. Lokalisierung
Während Kevin Eyres also die Quantität und die internationale Ausrichtung von LinkedIn auslobt, sieht Thorsten Vespermann die Vorteile "seines" Business-Netzwerks bei der Qualität und der Verbindung von Online- und (lokaler) Offline-Aktivitäten: "Unsere lokalen Teams können gezielter auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen und schneller auf Markttrends reagieren. Wir sehen, dass sich Menschen dort nicht nur online vernetzen, sondern dass sie sich auch offline treffen möchten. Die technische Unterstützung von Offline-Events – von Mitgliedern für Mitglieder – gehört zu unseren Kernkompetenzen. Allein im letzten Jahr wurden insgesamt über 55.000 öffentliche Live-Events über XING organisiert, vom Regionaltreffen in Izmir über den Business-Cocktail in Rom bis hin zum Unternehmer-Treffen in Valencia", erklärt Vespermann.
Befragt nach den Zielen für 2009 erklärt Vespermann weiter, dass alles was zur Steigerung der Mitgliederaktivität beitrage, höchste Priorität habe. Denn möglichst regelmäßige Nutzer würden zu wachsenden Mitgliederzahlen, steigenden Umsätzen und schließlich Gewinnen führen. Dabei wolle Xing weltweit in nahezu allen Regionen weiter wachsen, der deutschsprachige Raum solle dabei aber weiterhin Kernmarkt bleiben, denn dort böte sich weiterhin enormes Wachstumspotential. Auf der anderen Seite gibt Kevin Eyres als Ziel für 2009 aus, die Mitgliederzahl von LinkedIn in Deutschland von derzeit über 500.000 Mitgliedern bis zum Jahresende auf eine Million zu verdoppeln. Zu den Chancen des jeweiligen Konkurrenten wollten sich beide Unternehmen nicht äußern.
Fazit: Beide Netzwerke verfolgen andersartige Ansätze und bieten ihren Mitgliedern dementsprechend verschiedene Vorteile. Während LinkedIn vor allem für international agierende Geschäftsleute – aufgrund der hohen Anzahl weltweiter Mitglieder – interessant ist, besticht Xing – gerade im deutschsprachigen Raum – durch einen hohen Vernetzungs- und Nutzungsgrad seiner Mitglieder. Beide Communitys werden wohl in absehbarer Zeit, dem Konkurrenten die jeweilige Stärke nicht streitig machen können – doch den Nutzern kann es egal sein: ihnen steht es schließlich frei sich in beiden Netzwerken anzumelden und von den Vorteilen zu profitieren.
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Kommentare zu Wettlauf der Business-Communitys
Richtig
In der Tat ist es so, dass die Bedeutung von Business-Communitys immer noch stark unterschätzt wird. Ich bin aber sicher, dass sich hier bald ein Umdenken bemerkbar machen wird.