"Sehen Sie, als Investor wird man dauernd angelogen"
förderland im Gespräch mit Reto Hartinger - Business Angel und Gründer von search.ch - über seinen Wechsel vom Investor zum Berater, die drei Rollen in einem Start-up, einen B2B-Webservice, der den Markt umkrempeln wird und warum ein Businessplan für Investoren so wichtig ist.
förderland: Herr Hartinger, würden Sie sich bitte kurz vorstellen?
Reto Hartinger: Huch, mein Problem ist, dass ich immer bis zu fünf Sachen gleichzeitig mache. Ich war einmal Journalist und einer der Ersten in der Schweiz der CD-ROMs gemacht und in der ganzen Welt vertrieben hat. Dann war ich Konferenzleiter der Internet Expo, in ihren Glanzzeiten hatte diese Konferenz 5.000 Besucher, 180 Referenten und 15.000 verkaufte Seminarsessions. Mit zwei Partnern habe ich search.ch zur zweitgrößten Internetseite der Schweiz aufgebaut und der Schweizerischen Post verkauft. Wir haben mit Google, der P-Gruppe und der Post verhandelt. Ich habe dabei viel gelernt und wohl den teuersten Englischkurs der Welt genossen.
förderland: Wie das?
Hartinger: Mein Englisch war bei den Verhandlungen mit Google einfach zu schwach. Wir hätten sonst viel besser verhandeln können und haben bei Google auch den Preis überreizt. Wir hatten sie schon mehr als das doppelte ihres Initialangebotes heraufgehandelt. Eigentlich wollten wir verkaufen, unser Antwalt meinte, es liege noch mehr drin. Ein Irrtum. Als wir dann mit Larry Page gesprochen haben, haben wir dann eben nicht die "Falle" gemacht, die einen noch überrisseneren Preis gerechtfertigt hätte. Sie meinten, dass nur noch das Initialangebot gilt. Das war zwar gut, wir haben dann doch der Post verkauft, weil die unser Geschäft so fortführen wollten, wie wir es begonnen haben und auch kein Personal entlassen wollten. Ich finde, sie haben das bis jetzt gut gemacht.
förderland: Und was machen Sie jetzt?
Hartinger: Dieses Geld investiere ich nun, beteilige mich an Firmen und berate Start-ups mit meiner Firma Insider Management und betreibe den größten Businessclub für Internetverantwortliche in der Schweiz. Internet Briefing hat über 500 Mitglieder und wächst immer noch jeden Tag um mindestens ein Mitglied.
förderland: Da Sie beide Seiten der Medaille kennen - was ist die größere Herausforderung bzw. was macht Ihnen mehr Spaß: gründen oder investieren?
Hartinger: Wollen Sie eine ehrliche Antwort?
förderland: Ja bitte.
Hartinber: Ich habe zwei Jahre das Unternehmen gesucht, das die Welt revolutionieren wird, die Technologie welche alles verändert. Ich habe sogar einige Ansätze gefunden. Aber es hatte immer mindestens einen Haken bei der Geschichte. Sehen Sie, als Investor wird man dauernd angelogen. Ich hasse das. Dann habe ich die Seite gewechselt - habe nicht mehr gesagt, dass ich Geld investieren will, sondern dass ich Geld für die Firma suche und dass ich ihnen bei der Strategie sowie bei der Formulierung des Businessplanes helfe. Das war dann sehr befreiend, plötzlich konnte ich mit den Leuten über die Probleme und Chancen der Firmen sprechen, Ideen und Strategien entwickeln. Dies in aller Offenheit und Ehrlichkeit.
förderland: Wie viele Unternehmen befinden sich derzeit in Ihrem Portfolio und aus welchen Branchen stammen sie?
Hartinger: Ich bin in sieben Unternehmen investiert. Die Themen sind RFID, Neuronale Netze, Collaboration, Gesundheit, instant 3D-Virtualisierung und ich gründe ein B2B-Webservice, der die Welt revolutionieren wird. Spaß beiseite - das Projekt hat tatsächlich viel Potential, ist international ausgerichtet und wird den Markt umkrempeln.
förderland: Um was handelt es sich?
Hartinger: Darf ich noch nicht sagen.
förderland: Ist Ihre Unterstützung rein finanzieller Art? Haben Sie ein Investitionslimit?
Hartinger: Den meisten Firmen gebe ich Ratschläge und investiere nicht. Viele brauchen mein Investment gar nicht - sie müssen nur auf den richtigen Weg und mit den richtigen Leuten zusammengebracht werden. Mein Beziehungsnetz ist ja extrem groß und ich bin eigentlich ein sehr schlechter Berater.
förderland: Wieso?
Hartinger: Ich weiß immer jemanden, der es besser weiß als ich. Meine Ratschläge sind auch sehr praktisch orientiert, nicht so wie bei normalen Beratern, die einfach zuhören und dann einen Bericht verfassen mit dem, was gesagt wurde. Wo ich investiere, helfe ich bei der PR mit und bin Sparringspartner für die Ideen und Strategien, bin Türöffner, bringe Allianzen ein. Jungunternehmer müssen Anfangsfehler vermeiden und die richtigen Allianzen schmieden.
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Kommentare zu "Sehen Sie, als Investor wird man dauern ...
Sehr unterhaltsam ...
... und dabei noch so ehrlich. Ein gelungenes Interview.