Kolumne von Oliver Bücken, UnternehmerTUM
Ehe-Partner als Co-Gründer – kann das gut gehen?
Erfahrenen Venture Capitalisten stellen sich die Nackenhaare auf, wenn sie erfahren, dass ein Paar die treibenden Gründer eines Start-ups sind. Sie investieren nicht in ein "couple-business". Sogenannte "Copreneurs", also verheiratete Paare, denen eine Unternehmen gehört und die es leiten, sind ihnen suspekt. Warum ist das eigentlich so?
Es wird halt Privates mit Berfuflichem vermengt. Und das ist für Investoren - aber auch für später einsteigende Mitgründer - problematisch. Die Grenzen verwischen derart, dass Privates und Berufliches nahezu verschmelzen und am Ende symbiotisch miteinander verwachsen.
Diese "Symbiotische" kann eine große Stärke sein, das sich in einer klaren Rollenteilung äußert - in "normalen Start-ups" ist die klare Rollenteilung dagegen durchweg ein Problem. Eine weitere Stärke sehe ich in dem großen Gefühl gegenseitigem Vertrauens. Auch nicht so einfach bei "normalen Start-ups", weil man sich häufig noch nicht so lange kennt und in der Regel noch nicht durch emotionale Krisen gegangen ist. Schließlich beobachte ich Stärken in der gegenseitigen Achtung. Denn beide Partner haben gleiche Ziele, weswegen es ihnen möglicherweise leichter fällt, Aufgaben sinnvoll und "Hand-in-Hand" aufzuteilen.
In einer Untersuchnung von Ponthieu/ Caudill (1993) "Who is the boss?" berichten die erfolgreichen Ehepaar-Unternehmer Folgendes: Sie sind vereint im täglichen Machtkampf, der sich eben nicht gegen einen der Partner, sondern nach Außen richtet. Und gemeinsame "Feinde" motivieren und schweißen ungemein zusammen. Das heißt, wenn diese Ehepartner-Unternehmer ein gleiches Ziel haben und souveräne Persönlichkeiten sind, dann sind das sicher gute Voraussetzungen für erfolgreiche Unternehmen.
Und warum wollen sich nun VC oder Angel an dieser Unternehmer-Konstellation nicht beteiligen? Wer schon mal Venture Capitalisten ins Boot geholt hat, weiß wie umfänglich deren Vertragswerke sind. Copreuers, die in Liebe und Arbeit miteinander verwoben sind, über Verträge noch stärker binden zu wollen, als diese es eh schon sind (siehe oben: Symbiose!) – ist ein Witz. Später einsteigende Mit-Gründer können davon ein Lied singen: man schafft es einfach nicht in diese Symbiose einen Fuss zu bekommen! Davor scheuen natürlich die Investoren auch zurück.
Jeder Beteiligungsvertragvertrag sieht vor, unter bestimmen Umständen Gründer/ Vorstände/ Geschäftsführer vor die Türe setzen zu können. Die faktische Scheidung per Vertrag zu erzwingen geht sicher zu weit; also macht man es erst gar nicht.
Und schließlich wissen die Investoren natürlich, dass wenn es zwischen den Ehepartnern kracht, dies zu einer Dynamik führt, die keiner mehr kontrollieren kann.
Alles gute Gründe als Investor die Finger von Copreneuers zu lassen. Aber, wenn man kein Eigenkapital benötigt, dann können Ehepartner-Unternehmer sehr erfolgreich sein.
Über den Autor
Oliver Bücken - Mitgründer der buecher.de AG - ist Dozent der UnternehmerTUM GmbH, dem "Zentrum für Innovation und Gründung"
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Kommentare zu Ehe-Partner als Co-Gründer – kann das gu ...
Unsere Erfahrung
Meine Frau und ich haben bis jetzt zwei Unternehmen auf den Weg gebracht und ich muss sagen, dass ich es mir bei uns nicht anders vorstellen kann. Wir ergänzen uns beruflich wie privat optimal.
Andersrum kann ich mir vorstellen, dass wenn ein Partner alleine gründet und er bis spät in die Nacht arbeitet es bestimmt oft zu Streit kommt, grade wenn Kinder im Spiel sind. Das habe ich oft gesehen.
Ob es also so vorteilhaft ist wenn ein Gründer eine private Krise hat mag ich bezweifeln. Das kommt immer auf die Gesamtumstände an. Investoren die nicht auf ihre Intuition hören, sondern statistischen Regeln folgen sind meiner Meinung im Nachteil.
Der Punkt Nachhaltigkmeit spielt hierbei eine sehr große Rolle.
Wenn man einen Gründer so betrachtet, dass man ihn einfach auswechseln kann ist ein Irrtum. Fast immer dann, wenn dies passiert und ein Gründer durch einen Manager ersetzt wird, dann verliert die Unternehmung oft den Spirit und damit den Kundennutzen. Das ist sehr oft zu beobachten. Kurzweilig gehen durch Optimierung vielleicht die Gewinne nach oben aber auf Lange Sicht geht das wichtigste verloren.
Nur meine 5 cent
Recht hat er
Da hat mein Vorkommentator Chris aber Recht.
Wir arbeiten auch seit Jahren gut und intensiv zusammen. Und wir wissen, wie wir uns gegenseitig durch unsere Tiefs bringen und wieder aufpeppeln.
Nun ist es aber auch so, dass gerade der typische VC lieber mit sehr jungen und charakterlich ungefestigten Gründern zusammenarbeitet, die talentiert, motiviert und formbar sind. Stellt sich einer als "Problemfall" für Schema F des VC Handbuchs heraus, sollte er im absoluten Notfall möglichst leicht auswechselbar sein, um nicht das vertraglich festgelegte Unternehmensziel zu gefährden. Aus Sicht des VC's ist das ein wichtiger und nachvollziehbarer Punkt. Da werfe ich nicht mit Steinen.
Das liegt aber an der zeitlichen Befristung der Zusammenarbeit.
Paare hingegen haben meist einen längeren zeitlichen Horizont bei ihrer Unternehmung im Auge, die sich von vornherein ein wenig von den Zielen der VC's zu unterscheidet. Üblicherweise sind Paare in solchen Fällen vor allem deshalb ungern gesehen, weil der zuständige Betreuer des VC's sich die Zähne an ihnen ausbeißt (sind ja oft selbst sehr jung und unerfahren). Nach dem Branchenmotto: "Die machen nur Ärger".
Erst die Herrschaften älteren Semesters mit genügend Lebenserfahrung, mehr Gelassenheit, Überzeugungskraft und ausreichend Ruhe um mit der eigenen Aufgabe als VC kreativ umzugehen, wissen die Vorzüge von gründenden Ehepaaren für sich zu nutzen.
Wir sind jedenfalls sehr froh keinen "neuen Kumpel" sondern einen "weisen Partner" als VC gewonnen zu haben. So klappt's dann auch blendend.
GrußGruß