Interview mit Mario Grobholz (myON-ID)
"Du bist die Marke - es ist dein Profil"
Das ist das Motto von my-ON-ID, die Jobsuchenden, Freiberuflern oder Gründern dabei helfen, sich im Netz von ihrer besten Seite zu präsentieren. Im Interview mit förderland erklärt CEO Mario Grobholz, warum Online Reputation Management gerade für Gründer wichtig ist und gibt hilfreiche Tipps, wie man die Sache richtig angeht. Außerdem suchen myON-ID und förderland die genialsten Köpfe hinter den Start-ups.
förderland: Herr Grobholz, stellen Sie sich doch bitte kurz vor und geben Sie uns die wichtigsten Informationen zu Ihrem beruflichen bzw. unternehmerischen Background.
Mario Grobholz: Ich bin Gründer und Geschäftsführer der myON-ID Media GmbH. Bevor ich ein Start-up gegründet habe, war ich viele Jahre für die Web-Engagements von unterschiedlichen Medienunternehmen verantwortlich. Zu meinen vorigen Stationen zählen der französische Fernsehsender TF1, deren Tochter Eurosport, o2 Germany und Web.de.
Was ist myON-ID?
Grobholz: Der Name myON-ID steht im Englischen für "meine Online-Identität". Unsere Nutzer nehmen ihr Personenmarketing selbst in die Hand. "Du bist die Marke – es ist dein Profil!" – lautet unser Motto. Wir helfen beispielsweise Jobsuchenden, Freiberuflern und allen, die etwas zu sagen haben, sich von ihrer besten Seite darzustellen.
Gestartet ist myON-ID vor zwei Jahren als Monitoring-Tool für die eigene Reputation. Mittlerweile ist ein ganzes Maßnahmenbündel für die berufliche Selbstvermarktung entstanden. So bieten wir nicht nur Hilfe bei der Frage an, wie man sich und seine Kompetenzen optimal präsentiert. Wir kümmern unseren darum, dass die Profile unserer Nutzer bei einer Google-Suche wirklich gefunden werden. Das unterscheidet uns maßgeblich von bekannten Social Networks, wie bspw. Xing, die die Nutzerprofile in starre Formularfelder drücken.
Ich habe myON-ID 2007 gemeinsam mit Roman Pritzkow gegründet. Zu den Investoren gehören der T-Online Venture Fund und die nexum AG. Heute leite ich zusammen mit Christian Sigl das Unternehmen.
Sind weitere Features geplant? Wie wollen Sie Ihr Angebot ausbauen?
Grobholz: Wir entwickeln myON-ID ständig weiter. Die wichtigste Neuerung ist zurzeit der "Activity-Stream". Schon heute bündeln wir die über das Internet verstreuten Aktivitäten unserer Nutzer auf seinem Profil. Dies funktioniert z. B. bei Diensten wie Twitter, Youtube, Sevenload, Slideshare, Qype, Flickr, LastFM oder auch dem eigenen Blog. Zusätzlich wird es bald möglich sein, über diesen Stream auch mit anderen Nutzern zu kommunizieren, ihn zu kommentieren oder zu bewerten. Wir sehen, dass die Online-Kommunikation aus den Kommentaren bspw. in Blogs in solche Ströme abwandert. Das ist vor allem Twitter und seit kurzem auch Facebook zu verdanken. Im Ergebnis befinden sich im myON-ID Stream alle meine Web-Inhalte und meine gesamte Kommunikation. Diese Bündelung steigert die Relevanz des Profils weiter.
Wie ist die Idee entstanden?
Grobholz: Die zu myON-ID hatte ich bereits Anfang 2007. Wir haben damals in Selbstversuchen unsere "Googleability" überprüft und dabei festgestellt, dass der Eindruck über eine Person der dabei entsteht häufig nicht der Realität entspricht und manchmal sogar eher schädlich wirkt. Das war der Beginn von "Reputation-Management". Zu dieser Zeit sprach in Deutschland niemand über dieses Thema und auch in den USA war dies noch ein sehr kleines Pflänzchen. Wir haben uns dennoch intensiver mit den Möglichkeiten beschäftig, einen Service zu entwickeln mit dem jeder ohne große Vorkenntnisse und Zeitaufwand sein Image in der Online-Öffentlichkeit messen und aktiv gestalten kann.
Das Ergebnis war dann das Konzept von myON-ID. Wir haben dies dann bis zum Prototypen selbst finanziert, um abzuwarten wie der Markt darauf reagiert. 2008 haben wir für unser Konzept viel Bestätigung erfahren. Auch die öffentliche Diskussion über das Thema nahm stark zu. Durch den Einstieg der T-Venture Ende 2008 konnten wir dann beginnen, das Konzept von myON-ID weiter auszubauen und in der nächsten Evolutionsstufe zu einer Plattform für das Personal Branding weiterentwickeln.
Heutzutage geben viele Menschen sehr persönliche Informationen im Netz preis. Was sollte man beim Aufbau seiner digitalen Identität beachten?
Grobholz: Seine Online-Marke zu schaffen, kann ein durchaus zäher Prozess sein, der Zeit, Kreativität und einige technische Finessen abverlangt. Aber damit genau das einfacher wird und im Grunde jeder seine Online-Marke erstellen und pflegen kann, haben wir myON-ID entwickelt.
Es gibt jedoch kein Schema F nach dem man vorgehen kann, da die Interessen und Ziele eines jeden Einzelnen von uns doch sehr unterschiedlich sind.
Ein paar grundlegende Punkte beim Aufbau Ihrer Online Identität sollten Sie sich aber beachten:
1. Machen Sie sich klar, wofür Sie stehen wollen: Was ist Ihre Botschaft? Was ist Ihre Expertise?
2. Entwickeln Sie einen Markennamen (bspw. Ihr Vor- und Nachname) und idealerweise auch ein persönliches Design (Corporate Identity).
3. Verwenden Sie Ihre Marke konsequent und durchgängig im Netz - in Ihren Profilen, in Social Networks, in Ihrem Blog oder auch in Ihrem Videochannel.
4. Sorgen Sie dafür, dass Sie leicht erreichbar sind.
5. Erstellen Sie eigene Inhalte. Schreiben Sie einen Blog, kommentieren Sie, twittern Sie und erstellen Sie bei seriösen Diensten ein aussagekräftiges Profil aus dem Ihre Positionierung, Ihre Stärken und das wofür Sie stehen klar wird.
6. Nutzen Sie die verschiedensten Möglichkeiten, Marketing in eigener Sache zu betreiben. Bringen Sie sich ins Gespräch, wenn es um Ihre Themen geht. Teilen Sie mit anderen Ihr Wissen. Gehen Sie auf Konferenzen und halten Sie Vorträge, wenn Sie sich dazu bereit fühlen.
7. Prüfen Sie Ihre Auffindbarkeit bei Google regelmäßig und optimieren Sie dort Ihr Ranking.
Bei vielen dieser Schritte hilft Ihnen myON-ID, denn genau dafür haben wir es entwickelt. So sparen Sie Zeit und brauchen kaum Vorwissen, um sich am Ende professionell im Internet von Ihrer besten Seite zu zeigen.
Warum ist es gerade für Gründer wichtig, dass Sie ihr digitales Selbst managen?
Grobholz: Gute Ideen und Start-ups gibt es viele. Bekannte Gründer nicht. Zwar steckt hinter jeder interessanten Idee auch ein spannender Kopf, doch die wenigsten Jungunternehmer erhalten die notwendige Aufmerksamkeit für ihre Person.
Die Gesichter hinter einer Idee sind für Kunden, Medien und Investoren gerade am Anfang, wenn die großen Erfolgsgeschichten noch fehlen, viel interessanter als die Features der Website. Leider erfährt die Öffentlichkeit selten die persönliche Geschichte hinter einem zunächst anonymen Dienst. Wer hatte die Idee und warum? Was waren die Hoffnungen, die Risiken, die Erfolge und die Rückschläge? Was haben die Gründer gelernt, was werden sie besser machen? Was verbindet die Macht mit den Nutzern? Öffentlichkeit erhält der Macher nur, wenn er auch eine Geschichte zu erzählen hat und die muss auch und vor allem im Internet auffindbar und nachvollziehbar sein. Die richtigen Informationen zur richtigen Zeit – dafür steht myON-ID.
myON-ID sucht die genialsten Köpfe hinter den Start-ups
Mario Grobholz und Christian Sigl haben in der Gründungsphase von myON-ID selbst erfahren, wie wichtig die eigene Positionierung für einen erfolgreichen Auftakt eines Start-ups ist. Das ist der Grund, warum sie Jungunternehmen, die bis zu zwei Jahre alt sind, eine kostenlose Premium-Mitgliedschaft anbieten. myON-ID vergibt in den nächsten acht Wochen insgesamt 50 Premium-Accounts über für 12 Monate. Wer mitmachen will, erstellt sich ein myON-ID-Profil. Zusammen mit förderland wählt myON-ID dann die besten drei Profile aus – die drei Gewinner erhalten zudem die Chance, sich in einem Interview mit förderland zu präsentieren! Hier gibt es alle Details zur Aktion.
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Kommentare zu "Du bist die Marke - es ist dein Profil"
Nette Idee aber für mich bisher noch fraglich, ob es massentauglich ist!
Die Idee finde ich an sich schon recht gut. Gleichzeitig frage ich mich jedoch auch, ob das Ganze wirklich massentauglich ist. Will man als Privatperson wirklich so zentral irgendwo dargestellt werden? Für Leute, die tatsächlich öffentlich ihre Person vermarkten sicherlich sinnvoll. Für den Rest: abwarten, wie die Leute es annehmen ;-) .... Auf jeden Fall weiter so!
Bin ich denn schon drin?
Hallo Start-Up Chicken,
das ist gar nicht die Frage, ob Privatpersonen etwas für Ihr Online Image tum müssen oder nicht, denn das Web unterscheidet nicht zwischen privater und geschäftlicher Nutzung, selbst wenn Privacysettings, bspw. bei Facebook so etwas glauben machen wollen.
Jeder von uns ist drin, im Web, bei Google, ... und wenn ich schon drin bin, dann möchte ich a) wissen was steht drin und b) einfache Tools bekommen um das positiv in meinem Sinne zu beieinflussen. Für beides ist myON-ID eine Lösung.
Die Frage der Massentauglichkeit. myON-ID positioniert sich als Social Network mit Business Fokus. Bekannterweise sind die Großen der Branche LinkedIN und Xing mit vielen Millionen Nutzern. Ich denke schon dass in diesem Segement von einem Massenmarkt zu sprechen ist. Funktional müssen wir uns heute schon hinter Xing nicht mehr verstecken - was die Anzahl der Nutzer angeht liegen da natürlich noch Welten dazwischen ... wir arbeiten aber daran und hoffen auch, dass viele Leser hier das Angebot von myON-ID sich ansehen werden ;-)