Kolumne von Werner Arndt - "Family, Fools and Friends"-Finanzierung
08.10.08 08:40
Kolumne von Werner Arndt

"Family, Fools and Friends"-Finanzierung

Nicht erst seit der aktuellen Finanzkrise machen sich Gründer Gedanken über Alternativen zum nicht immer und nicht für alle Geschäftsideen erreichbaren Eigen- oder Fremdkapital von Institutionen und Banken. Gerade bei kleineren Beträgen liegt die Idee nahe, das Geld von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten einzusammeln. Allerdings hat diese Art der Finanzierung – in der Gründerszene leicht abschätzig "Family, Fools and Friends" – genannt , auch seine Tücken.

Werner Arndt ist Geschäfstführer der MBPW GmbH.
Werner Arndt ist Geschäfstführer der MBPW GmbH.

"Emotional Money"

Venture Capital oder Business-Angel-Kapital wird "Smart Money" genannt, da diese Investoren auch ihr Know-how mit einbringen. Für das Kapital von Familienangehörigen und Freunden ist "Emotional Money" vielleicht der richtige Ausdruck. Ein Vorteil ist der Vertrauensvorschuss auf beiden Seiten, wenn sich Geldgeber und Gründer schon länger kennen. Allerdings zeigt die Realität immer wieder, dass diese persönliche Beziehung auch eine echte Bürde sein kann. Die Angst, seine privaten Investoren bei einem Misserfolg nicht nur geschäftlich sondern auch menschlich zu enttäuschen, ist nicht unbedingt hilfreich, wenn unternehmerisch risikoreiche Entscheidungen gefragt sind. Grundsätzlich kann man sicher von der persönlichen Beziehung und dem Umgang miteinander darauf schließen, wie sich ein Verwandter/ Bekannter/ Freund als Investor verhalten wird, zum Beispiel ob er sich gerne mal einmischt, ob Zusagen auch eingehalten werden oder welches Verständnis er vom Verhältnis zwischen Einsatz und Erfolgsbeteiligung hat.

Keine Fools!

Auf jeden Fall müssen die Geldgeber aus dem privaten Umfeld genau wissen, worauf sie sich einlassen. Beim grundlegenden Verständnis für die Geschäftsidee und Unternehmertum an sich unterscheiden sich die in Frage kommenden Kandidaten ja stark, vom Schulfreund mit BWL-Diplom bis zur Oma mit dem Geld unter der Matratze. Bevor jemand zusagt, sollte er aber genau verstanden haben, welche Chancen und welche Risiken es gibt und was das ganz speziell für seinen Beitrag bedeutet. Hier ist oft eine – ehrliche! – "Übersetzung" des Businessplans nötig.

Formale Lösungen

Mein Rat für Gründer ist, die Beziehung zu Investoren aus Familien- und Freundeskreis auf formalere Füße zu stellen. Bei der Entscheidungsfindung hilft den angefragten Geldgebern eine objektive Beurteilung von Dritten, zum Beispiel von einer Unternehmensberatung oder auch das Feedback von Businessplan-Wettbewerben. Mit Verträgen fest vereinbaren sollten die Beteiligten auf jeden Fall, wie viel Geld investiert wird, wann es den Gründern zur Verfügung steht, wie das Reporting und die Erfolgsbeteiligung aussehen.

Aufhören muss die Freundschaft beim Geld also gar nicht, sie muss nur ergänzt werden um die wichtigsten Elemente einer professionellen Investoren-Unternehmer-Beziehung!

Weitere Ausgaben der Kolumne

Teil VI - Wie bescheiden müssen Gründer sein?
Teil V -
Läuft alles nach Business-Plan?
Teil IV - Gründertrends 2008
Teil III - Wer nicht gewinnt, hat trotzdem Grund zu feiern
Teil II - "DryRun" beim MBPW: Generalprobe für die Kapitalsuche
Teil I - Vom Wettbewerb in den Markt

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